Mir und den meisten Amerikanern ist die Idee einer Fan-Meile gänzlich fremd. Wir sitzen gerne mit unseren Familien zusammen und schauen die Spiele unserer Lieblings-Mannschaften im Fernsehen an - in unseren bequemen Wohnungen. Viele Leute in den USA können sich wahrscheinlich keine Videoleinwand mit hunderttausenden Fremden vorstellen.

Aber hier in Deutschland, besonders in Berlin, ist das ganz normal. Und es macht viel, viel Spaß. Meine erste Erfahrung mit Fan-Meilen war während der EM. Meine 400.000 "Freunde" und ich sahen der Spiel Deutschland-Dänemark am Brandenburger Tor. Die Atmosphäre war spannend; jedes Tor brachte lautes Jubeln.

Keine amerikanische Stadt hat ähnliche Feiern für die Olympischen Spiele oder andere Sportarten. Niemand in New York oder Los Angeles schmeißt ein großes Fest mit 100.000 Leuten für den Super Bowl. Wenn Amerikaner außerhalb ihrer Häuser Sport sehen wollen, gehen sie in Kneipen mit großen Fernsehern und billigem Bier. Nicht so laut, nicht so spontan, nicht mit so viel Spaß.

Deshalb ist das zweiwöchige Fest auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof wirklich schön. Bei der Eröffnung feierten mehr als 4000 Leute vor der 100 Quadratmeter großen Videoleinwand den Auftakt dieses globalen Ereignisses. Und am Montag waren trotz Regen und Wind mindestens 150 Leute auf dem Feld.

Ich fand die Deutschen dort sehr unterstützend und aufmerksam. Zum Beispiel der Fahrradfahrer, der am Montag Timo Boll auf der Leinwand beim Tischtennisspiel zusah. Nach jedem Punkt schrie er für den Mann aus Erbach. Später sprachen zwei ältere Frauen über das Bogenschießen-Talent des blinden Südkoreaners Dong Hyun Im, der gegen Emanuele Guidi aus San Marino antrat. „Unmöglich“, sagten die beiden über seine perfekten Schüsse. „Einfach nicht genug“, sagten sie nach den Versuchen von Guidi.


Sie jubelten nach jeden deutschen Siegen und klatschten höflich nach Niederlagen. Diese Art von Unterstützung des Nationalteams ist das, was ich an den Olympischen Spielen am meisten liebe. Die meisten amerikanischen Familien wissen nichts über Paul Biedermann oder Sabine Lisicki. Aber wir unterstützen unsere amerikanischen Sportler und Sportlerinnen für diese zwei Wochen mit der gleichen Leidenschaft. Die Olympischen Spiele symbolisieren Wettbewerb, Freundschaft und einfach viel Spaß. Ob in Deutsch oder Englisch, niemand kann diese Bedeutung vergessen.