Thomas Bach scheint es ernst zu meinen mit seinen Reformplänen. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hat am Mittwoch nicht nur betont, dass er sich „riesig“ über Olympia in Deutschland freuen würde und eine Bewerbung „wirklich eine gute Chance“ hätte. Er machte zugleich klar, worauf es ihm dabei ankommt: die Unterstützung der Bürger. „Eine deutsche Bewerbung, die dann von einer großen Mehrheit der Bevölkerung getragen wird, wäre sicherlich eine sehr, sehr starke Bewerbung“, betonte er im NDR-Hörfunk. Es klingt, als sehne sich das IOC nach mehr Akzeptanz im Volk.

IOC-Chef Bach muss bei Olympia-Bewerbung neutral bleiben

Welche der beiden möglichen Olympia-Kandidaten Berlin und Hamburg er bevorzugen würde, sagte Thomas Bach natürlich nicht, als IOC-Chef muss er neutral sein. Erst einmal müsse der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) die richtige Wahl treffen „und feststellen, wo die beste und breiteste Unterstützung vorhanden ist“.

Wie man das bewerkstelligen soll, ob durch eine Volksbefragung oder andere Beteiligungsformen, ließ Bach offen. Tatsache ist, dass Berlin und Hamburg sich da etwas einfallen lassen müssen. In dem DOSB-Fragenkatalog, den beide Städte bis Ende August beantworten sollen, spielt das Thema eine ähnlich große Rolle wie die Pläne für Wettkampfstätten.

Noch steht das Berliner Bewerbungskonzept nicht fest, die Landesregierung will es am kommenden Dienstag beschließen. Es sieht aber so aus, als gebe sie sich Mühe, den traditionell eher skeptischen Berlinern Olympia schmackhaft zu machen. Nach Informationen der Berliner Zeitung will der Senat vorschlagen, parallel zu den Olympischen und Paralympischen Spielen ein riesiges Volksfest zu veranstalten – eine Mischung aus Fanmeile und Sportparty. Falls der DOSB sich im Dezember für Berlin als Bewerberstadt entscheidet, sollen die Berliner darüber abstimmen dürfen, ob dieser „Olympic Campus“ auf dem Tempelhofer Feld oder lieber auf der Straße des 17. Juni stattfinden soll.

Senat bevorzugt Tempelhofer Feld

Der Senat selber bevorzugt offenbar das Tempelhofer Feld, weil eine solche Veranstaltung zur heutigen Nutzung der Freifläche passen würde. Wie bisher kämen hier Sport, Unterhaltung, Erholung und Begegnung zusammen, heißt es. Die Olympia-Planer stellen sich einen zentralen Ort vor, an dem die Spiele 2024 oder 2028 „von Gästen aus Berlin und aus aller Welt gefeiert werden“.

Auf dem Campus sollen sämtliche Wettkämpfe der Olympischen und Paralympischen Spiele live auf Leinwänden übertragen werden. Die Besucher sollen sich aber auch selber betätigen dürfen, etwa indem sie nicht-olympische Trendsportarten ausprobieren können. Berlin eigne sich dafür hervorragend, heißt es in der Sportverwaltung nicht ohne Stolz. Ungewöhnliche Modesportarten wie „Parkour“ oder „Hockern“ seien hier schon heute beliebt.

Eine weitere Idee ist, auf dem Campus in Kooperation mit der Slow-food-Bewegung gesunde, regionale Speisen und Getränke anzubieten. „Das Tempelhofer Feld würde so für einige Wochen zum größten Fitnessstudio der Welt“, wirbt man im Senat.