Für echte Begeisterung hält die deutsche Sprache eine Reihe von Vokabeln bereit, etwa: Großartig! Wunderbar! Sensationell!

Insofern muss man festhalten, dass die Reaktionen der Olympia-Freunde Berlins auf die jüngste Deutschland-Umfrage doch eher gebremst wirken: „Nicht übel“, sagt etwa der SPD-Sportpolitiker und glühende Olympia-in-Berlin-Fan Dennis Buchner. „Besser als wenn man hinten liegt“, sagt Klaus Böger, Präsident des Landessportbunds Berlin, also der oberste Lobbyist für Leibesübungen in der Hauptstadt.

Gemeint sind die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Instituts Infratest Dimap im Auftrag der Berliner Morgenpost und des RBB. Sie ergibt, dass zwar fast 70 Prozent der Bundesbürger Olympia in Deutschland wollen – im Jahr 2024. Doch im Vergleich der Städte Berlin und Hamburg, für die der DOSB eine internationale Bewerbung plant, ist das Ergebnis mau: Berlin wollen 34 Prozent, Hamburg 30 Prozent.

Bei der statistisch unvermeidlichen Fehlertoleranz von plus/minus drei Punkten ist das kein überzeugender Vorsprung. Deutlicher liegt Berlin vorn, wenn nur die exakt 69 Prozent Olympia-Freunde auswählen. Dann sagen 49 Prozent Ja zu Berlin und 43 Prozent Ja zu Hamburg. Eindeutig ist das immer noch nicht.

Entscheidung am 16. März

Wirklich bedeutend ist aber gar nicht diese Umfrage, sondern die nächste: Am Dienstag, dem 10. März, wird der DOSB zwei Forsa-Erhebungen präsentieren, eine unter Berlinern, die andere unter Hamburgern. Dann stellt sich heraus, wie die Bevölkerung zu Olympia in ihrer Metropole steht. Diese Umfrage wird in die für den 16. März geplante Entscheidung des DOSB-Präsidiums einfließen, mit welcher Stadt man beim Internationalen Olympischen Komittee (IOC) antritt. Der Grund: Ohne eine mehrheitliche Zustimmung der Bevölkerung soll es nicht laufen. Die eigentliche Volksbefragung dazu findet allerdings erst am 13. September statt. Die Forsa-Ergebnisse bringen also allenfalls eine Ahnung von der Olympia-Stimmung an Elbe und Spree.

Umso interessanter ist es, die Erwartungshaltungen zu vergleichen. Die Berliner stapeln dabei deutlich tief, die Hamburger zeigen die vor Stolz geschwellte Hanseaten-Brust. „Ich setze auf eine mehrheitliche Zustimmung“, sagt Berlins Sport-Boss Böger vorsichtig – mit anderen Worten, er hofft auf mehr als 50 Prozent.

Selbst wenn das Ergebnis „knapp unter 50 Prozent“ läge, wäre dies noch keine Vorentscheidung gegen Berlin, versichert er. „Wer die Berliner kennt, der weiß: Sie sind keine Jubler, sondern zuerst immer skeptisch“, skizziert der in Hessen geborene 69-Jährige, zugereist vor 45 Jahren, sein Psychogramm des Hauptstädters. „Aber wenn es drauf ankommt, dann sind sie da!“ Die Umfrage jetzt, erklärt der erfahrene Ex-Senator, sei mehr eine „Kurzzeitpulsmessung“.

Bögers Hamburger Amtskollege Jürgen Mantell klingt da deutlich zuversichtlicher. Seine Prognose: „70 Prozent plus x“. Er fühle, sagt er, dass die Hamburger kapiert hätten, was für ein wunderbares Ereignis Olympia sei.

Dem Berliner Sportchef ist anderes wichtiger, jenseits demoskopischer Daten: So habe die deutsche Hauptstadt etwa international eine „Riesen-Reputation“ im Sport, sagt Böger. Zudem passe Berlins Ansatz zu „bescheidenen Spielen“ exakt zur IOC-Reformagenda.

Doch Böger warnt auch: Deutschland könne sich keinen zweiten Fehlschuss erlauben. Soll heißen: Geht die entscheidende Volksbefragung im September, ob nun in Hamburg oder Berlin, gegen die Spiele aus, wie es in Bayern 2013 der Fall war – dann seien Deutschlands Chancen auf Olympia für Jahrzehnte gleich Null. Zur Erinnerung: In Bayern lagen die Umfragen pro Winterspiele bei 66 Prozent. Der Volksentscheid wurde dennoch verloren.