Berlin - Nach der ersten Euphorie über die Pläne von Hertha BSC zum Umbau des Olympiastadions zeichnet sich ab: Das Projekt könnte teuer für die Stadt werden und die Möglichkeiten einschränken, zukünftig große Sportereignisse in Berlin auszurichten. Zudem wäre das Stadion während der Umbauphase möglicherweise ein ganzes Jahr lang nicht nutzbar, was erhebliche praktische Schwierigkeiten und Einnahmeausfälle mit sich bringen würde.

Wie berichtet, hat der Fußball-Erstligist Hertha mit dem Planungsbüro gmp, das unter anderem den Hauptbahnhof entworfen hat, eine Skizze für eine Umgestaltung erarbeitet. Hertha hat Probleme, die 75.000 Plätze im Stadion zu füllen. Außerdem klagen Verein und Fans über die Atmosphäre in der Arena, wo die Zuschauer weit weg vom Spielfeld sitzen. Herthas Vorschlag: Der Platz soll abgesenkt werden, die Ränge dichter an den Platz rücken, der obere Bereich der Tribünen hinter einer riesigen Videoleinwand verschwinden, die bei Bedarf abgebaut werden kann. Im Grundsatz haben sich Hertha und der Senat auf die Umsetzung geeinigt. Der Verein hatte zuvor erwogen, ein Stadion in Ludwigsfelde zu errichten.

Umbauten würden drei Jahre dauern

Wie das Projekt finanziert werden soll, ist jedoch bislang unklar. Das Land Berlin ist Besitzer des Stadions, Hertha der Hauptnutzer. Sie müssten darüber verhandeln, wie die Lasten verteilt werden. Nach Informationen der Berliner Zeitung rechnet gmp mit Kosten von 150 Millionen Euro. Die Umbauten würden demnach drei Jahre dauern. Zwei Jahre lang könnte der Spielbetrieb weiterlaufen. Im dritten Jahr müsste das Stadion jedoch gesperrt werden. Offenbar gibt es Überlegungen, dass Hertha währenddessen im Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg spielt.

In der Politik und im Sport gab es am Wochenende Zustimmung, aber auch skeptische Stimmen. Die sportpolitische Sprecherin der Grünen, Anja Schillhaneck, sagte der Berliner Zeitung: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Land finanziell in die Vorhand geht.“ Es gebe andere Projekte im Sport, wo der Bedarf größer sei – beispielsweise die Sanierung des Jahn-Sportparks. Außerdem sei ihr völlig unklar, wie der Umbau ins Sportkonzept der Stadt passen soll – denn für Leichtathletik wäre das Olympiastadion nicht mehr nutzbar. Harsch fiel darum auch die Kritik des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV) aus. Deutschland und Berlin würden sich damit endgültig von Olympischen Spielen und Leichtathletik-Weltmeisterschaften verabschieden, sagte DLV-Präsident Clemens Prokop. Das Olympiastadion ist die einzige Arena in der Bundesrepublik, die den Kriterien für die Weltereignisse genügt.

„Ich begrüße so einen Umbau“

Der sportpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Stephan Standfuß, fand es positiv, dass nun ein Vorschlag auf dem Tisch liegt. „Wir sind froh, dass es offenbar Gespräche gibt. Uns geht es darum, dass Hertha in Berlin bleibt“, sagte er. Auch er mahnte aber ein Gesamtkonzept an. „Ich begrüße so einen Umbau“, sagte hingegen die baupolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Iris Spranger. Vielen Künstlern sei das Olympiastadion zu groß. Nach dem Umbau könnten sie als Nutzer gewonnen werden. Mit den Denkmalschützern müsse geredet werden, inwieweit ein Umbau denkmalgerecht erfolgen könne.

Kultursenator Klaus Lederer (Linke), der für den Denkmalschutz zuständig ist, äußerte sich zurückhaltend. „Ich habe mit Interesse verfolgt, was vorgeschlagen wurde“, sagte er am Sonntag. Konkrete Pläne seien ihm aber noch nicht vorgestellt worden. „Ich weiß nicht, ob die Machbarkeitsstudie unter Beachtung des geltenden Denkmalschutzes erstellt wurde.“ Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte in der B.Z. am Sonntag, dass sich das Land an den Umbaukosten beteiligt, Hertha müsse aber auch etwas beitragen. Ob nach dem Umbau eine Leichtathletik-Nutzung möglich sei, werde jetzt geprüft.