Berlin - Ein Jahr mit einer Eins am Ende geht nun vorüber. Von diesen habe ich inzwischen sieben erlebt. Das Einser-Jahr, in dem ich geboren wurde, zählt mit – also lässt sich leicht ausrechnen, um welches Jahr es sich handelte. Richtig: 1961.

Ich hab ordentlich gefeiert und dabei gedacht: Wow, 1961, das ist ganz schön lange her. Und was alles in jenem einen Jahr passierte! Nur ein paar Schlagzeilen: Der erste Mensch im Weltraum – John F. Kennedy US-Präsident – US-Invasion in der kubanischen Schweinebucht – Erstes Atomkraftwerk in Deutschland! – Bau der Berliner Mauer! Ein Jahr, über das Bücher geschrieben wurden.

Ein sehr illustrer Jahrgang

Was dagegen wird man dereinst erzählen können, wenn man 2021 geboren wurde? „Das war dieses Jahr mit Corona“, wird man sagen. „Und was passierte da?“, wird die Gegenfrage lauten. „Na, im Januar war Corona, im Februar war Corona, im März war Corona, im April ...“ Und so weiter.

Noch sind jene Menschen, die 2021 geboren wurden, lauter kleine Babys. Und das ist ein Vorteil. Denn bei ihnen ist noch alles möglich. Wenn man 1961 geboren ist, guckt man eher schon zurück. Zu meinem Jahrgang gehören Barack Obama, George Clooney, Eddie Murphy, Lothar Matthäus und Lady Di. Ganz schön illuster, kann man sagen. Aber eben auch eine Rückschau. Gerade mal drei Milliarden Menschen lebten auf der Welt, als ich geboren wurde. Heute sind es fast fünf Milliarden mehr.

Wer weiß, was aus dem Geburtsjahrgang 2021 wird. Vielleicht wachsen uns hier Menschen heran, die die Weltformel finden, nach der Einstein vergeblich gesucht hatte, die Energien aus Dunkler Materie gewinnen und grüne lebenswerte Orte schaffen, trotz des Klimawandels. Sie werden vielleicht – Gott sei Dank – nicht den Mars besiedeln wollen, wie es zum Beispiel der US-Milliardär Elon Musk vorschlägt, der zugleich beklagt, es gebe zu wenige (!) Menschen auf der Erde.

Alpha, Delta, Pi und Rho

Ich wünsche mir auch etwas mehr Humor statt Streit und Hass. So schwer es auch ist: Mit Humor sind die Berliner immer irgendwie durch die Zeiten gekommen. Als jüngst die neue Corona-Variante B.1.1.529 aufkam, gingen im Chat unserer Familie die Namensvorschläge hin und her. Mein Schwiegersohn wollte sie „Tartaros-Mutante“ nennen, nach einem Strafort der Unterwelt (er spielt einfach zu viele Videospiele). Meine Frau sprach von „Hadessa“, sich auf den Hades beziehend. Weitere Vorschläge waren „Doctor-Octopus-Mutante“ (mit vier mechanischen Tentakel) oder „Kap Corona“. Dann hörten wir, dass man das Virus „Omikron“ genannt hat – nach dem 15. Buchstaben des griechischen Alphabets.

Die frechen Berliner Kinder hätten wohl einst darauf einen Abzählreim gemacht: „Omi-Omi-Omikron,/ Omi trägt ’ne Krone./ Rennt ganz schnell damit davon./ Opa, der bleibt ohne./ Alpha, Delta, Pi und Rho,/ Sigma, Tau und Ypsilon./ Husch, das Virus sitzt im Stroh./ Omi-Omi-Omikron!“

Weihnachtstipp zum Weiterlesen: Torsten Harmsen: Der Mond ist ein Berliner. Wunderliches aus dem Hauptstadt-Kaff, Bebra-Verlag, 2019, 14 Euro, 224 Seiten.