Berlin - Im Bus hinten einsteigen und per App bezahlen, vor dem Schwimmen noch ein Ticket buchen und für den Museumsbesuch online gehen – endlich wieder raus und etwas unternehmen! Zugang haben aber nur bestimmte Menschen. Menschen, die schnell tippen können, um sich zu registrieren, und kurz mit ihrem Smartphone Geld überweisen. Für die meisten älteren und auch viele mittelalte Menschen ist die Online-Buchung ein Hindernis. Sie müssen um Hilfe bitten oder bleiben dann doch lieber zu Hause.

Infektionsschutz ist auch bei niedrigen Inzidenzen wichtig, keine Frage. Es sollte aber immer Alternativen geben, um niemanden auszuschließen. Viele Besucher kommen der Bitte, online zu buchen, ohnehin freiwillig nach, wie das Beispiel des Berliner Zoos zeigt. Auch die BVG hat den Ticketverkauf in Bussen nun wieder eingeführt. In Museen und den Berliner Bädern bleiben allerdings höchstens Resttickets für die weniger Digitalaffinen.

Neue Barrieren

Immer mehr Barrieren werden gesenkt, um behinderten Menschen und Senioren den Zugang zu gesellschaftlichen Ereignissen zu erleichtern. Für manche Menschen stellt die Digitalisierung aber eine neue Art von Barriere dar. Und das wird oft vergessen.

Selbst Personen um die 30 brauchen manchmal etwas länger, um sich einzuloggen und digital zu bezahlen. Manchmal funktioniert etwas nicht, und man muss von vorn beginnen, gerade bei Buchungssystemen. Verständlich also, wenn Seniorinnen frustriert auf den Nachmittag im Schwimmbad verzichten.

Wir bauen Rampen für Rollstuhlfahrer, Bodenleitsysteme für Blinde und bieten Führungen in Gebärdensprache an. Aber ein Kontingent an der Kasse bereitzuhalten, das unter Umständen nur an Personen abgegeben wird, die sich als Digital Non-Immigrants outen – das ist zu viel?