Wer einen Adidas-Sneaker über eine App von Zalando bestellt, könnte inzwischen Schuhe bekommen, die nie in einem Zalando-Lager waren. Sondern in dem Adidas-Store in der Tauentzienstraße in Berlin-Charlottenburg. Bei Bestellung holt sie ein Kurier ab und bringt sie nach Hause. Die Filiale ist der erste Store einer großen Kette, die das Berliner Online-Modeunternehmen in das eigene Netz integriert.  

Zalando will Mode verlaufen, die nicht im Lager vorrätig ist

Rund 90 Prozent der Modeartikel sind bislang online nicht zugänglich, da sie in den Lagern von verschiedensten Geschäften liegen, sagt Zalando-Manager Christoph Lütke Schelhowe.  Seine Aufgabe ist, das  zu ändern: Zalando will längst nicht mehr nur online Mode verkaufen, sondern die Technologie liefern, sodass Kunden immer überall Zugriff auf alle verfügbaren Modeartikel haben – egal, ob offline oder online.

Berlin ist für Zalando dabei das Testfeld für Experimente, mit denen das Online-Modeunternehmen herausfinden will, wie das Mode-Shoppen in einigen Jahren funktionieren könnte. Neben dem Adidas-Store hat Zalando bereits vor einigen Monaten einen Laden im Alexa-Shopping-Center angeschlossen, dessen Sortiment über Zalando geordert werden kann. Doch Zalando  experimentiert in Berlin bereits  an ganz anderen  Möglichkeiten.

Modegeschäft als Paketbox

Zalando-Manager Christoph Lütke Schelhowe glaubt, dass mit Zalando im Rücken Ladengeschäfte niemals ihren Kunden sagen müssen, dass eine bestimmte Größe nicht verfügbar ist. „Never out of stock“, also quasi „nie mehr ,nicht  vorrätig‘“  nennt sich das Konzept, das Zalando in einer Tommy-Hilfiger-Filiale im Alexa ausgetestet hat. Mit einem Tablet konnten  die Kunden Tommy-Hilfiger-Artikel, die nicht im Laden waren, einfach nachordern und sie dann im Geschäft abholen. Der Kunde bekommt dann den gewünschten Artikel, indem er über Zalando in der Filiale kauft, der Händler bekommt eine Provision. „Eine Win-win-win-Situation“, sagt Lütke Schelholwe.

Ein anderes Experiment, das Zalando mit einem Laden in einem Einkaufszentrum in Steglitz getestet hat: Das Mode-Geschäft als Paketbox. Zalando-Kunden in Berlin konnten sich während der Testphase ihre Artikel in eine Filiale der Kette More & More im Alexa-Shoppingcentrum schicken lassen – anstatt nach Hause. In den Umkleidekabinen der More&More-Filiale wurden dann nicht mehr nur die eigenen Hosen und  Jacken anprobiert, sondern auch die der Konkurrenz, die sich die Zalando-Kunden an die Filiale hatten schicken lassen. Praktisch dabei für den Kunden:  Was nicht gefällt, kann er einfach im Laden lassen – anstatt es wieder zu verpacken und zur Postfiliale zu bringen.

Der Reiz für den Händler: „Wir bringen ihm potenzielle Kunden in den Laden“, sagt  Lütke Schelhowe. Passt die bestellte Jeans nicht, nimmt die Zalando-Kundin vielleicht einfach eine andere mit – oder kauft noch den passenden Ledergürtel von More&More dazu.  Und Zalando? Könnte sich potenziell Lieferkosten sparen: Denn die Auslieferung ist auf dem letzten Kilometer bis zur Haustür am teuersten.  Zentrale Pick-up-Locations vereinfachen da die Logistik: Anstatt dass an zehn verschiedene Adressen ausgeliefert wird, landen alle zehn Pakete in einer Filiale.  Aber für Zalando geht es noch um wesentlich mehr: Es geht auch darum,  es Amazon oder anderen Konkurrenten  so schwer wie möglich zu machen,  Amazon das Geschäft abzunehmen. Die Integration der Ladeninventare in das Zalando-System ist nämlich äußerst komplex.   Die Läden nutzen unterschiedlichste Software-Systeme, um die Inventare zu verwalten, teilweise sind dabei sehr alte Programme im Einsatz. Zalando  musste mit hohem Aufwand die Offline-Inventare anbinden und dafür Kompetenz hinzukaufen.

Abkürzung unmöglich

So ist  Zalando etwa auch gerade erst bei dem britischen Softwareunternehmen Anatwine eingestiegen, das sich auf die Online-Anbindung von Marken spezialisiert hat. Doch zugleich ist es eine Komplexität, bei der es auch für die Konkurrenz keine Abkürzung gibt. Zalando kann sich so einen Vorsprung sichern, der  auch von Konkurrenten wie Amazon nur mühsam und mit hohem Ressourceneinsatz aufgeholt werden kann.