Einst thronte in dem riesigen Betonkomplex in Berlin-Lichtenberg das DDR-Ministerium für Staatssicherheit. Heute informieren sich auf dem früher gesperrten Areal Interessierte. Nun werden dort neue Zeugnisse der Geschichte präsentiert.

Eine neue Dauerausstellung in der früheren Zentrale der DDR-Staatssicherheit in Berlin erinnert an die friedliche Revolution vor mehr als einem Vierteljahrhundert. Die Schau „Revolution und Mauerfall“ wird am Mittwoch im Innenhof des einstigen Ministeriums für Staatssicherheit eröffnet, wie die Robert-Havemann-Gesellschaft mitteilte. Dazu werden auch Kulturstaatsministerium Monika Grütters (CDU) sowie Berlins Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) erwartet.
Auf 1300 Quadratmetern werden riesige Tafeln mit rund 650 Fotos und historischen Dokumenten gezeigt, die den Bogen von den Massenprotesten in der DDR über den Mauerfall am 9. November 1989 bis zur deutschen Einheit spannen.

Große Resonanz auf Vorgänger-Ausstellung am Alex

Das Haus von Grütters hat mehr als 700.000 Euro für das Projekt bereitgestellt. Hinzu kamen laut Gesellschaft Lottomittel sowie Geld vom Bezirksamt Lichtenberg, wie Projektleiter Tom Sello sagte.
Die Havemann-Gesellschaft hatte bereits zum 20. Jahrestag des Mauerfalls eine Open-Air-Ausstellung erarbeitet, die auf dem Alexanderplatz gezeigt wurde und auf eine große Resonanz stieß. Die Schau musste nach Verlängerung aber abgebaut werden.

„Die neue Ausstellung ist keine Kopie“, sagte Sello der Deutschen Presse-Agentur. Beleuchtet werde nun an dem historischen Ort der Repression auch, wie daraus ein Ort der Revolution geworden sei. Im Januar 1990 hatte Tausende Menschen das verhasste Ministerium für Staatssicherheit gestürmt und die Vernichtung von Stasi-Unterlagen gestoppt. Das ist in der Ausstellung mit Fotos dokumentiert.

Alle Elemente der Schau mit wetterfesten Tafeln wiegen zusammen neun Tonnen. Interessierte könnten zu jeder Zeit kommen, der Eintritt ist frei. Besucher können sich zudem an neun Medienstationen informieren. In unmittelbarer Nähe, im Haus 1, saß Stasi-Chef Erich Mielke. Sein Büro ist heute Teil des Stasi-Museums. Das Areal soll weiter ausgebaut werden zu einem „Ort der Aufklärung über Diktatur und Widerstand“, wie es jetzt der Bundestag beschloss.

Wie die Menschen ihre Angst überwanden

„Wir zeigen in der Ausstellung, wie die Menschen ihre Angst überwanden, sich für demokratische Strukturen einsetzten und eine Diktatur zu Fall brachten“, sagte Projektleiter Sello. „Diejenigen, die jetzt auf die Straße gehen und brüllen „Wir sind das Volk“ haben damit gar nichts zu tun.“

Der Geschäftsführer der Havemann-Gesellschaft, Olaf Weissbach, sagte, demnächst könne voraussichtlich das Archiv der Gesellschaft zur DDR-Opposition vorübergehend im Haus 22 auf dem Areal in Lichtenberg untergebracht werden. Die Gesellschaft muss bis Ende Juli eine Etage am bisherigen Standort in Prenzlauer Berg räumen.

Der Bund und das Land Berlin hatten sich für einen dauerhaften Sitz der Gesellschaft in der früheren Stasi-Zentrale ausgesprochen. Dazu soll eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden. (dpa)