Berlin - Der Orankesee gaukelt einem vor, weit weg zu sein. „Dabei ist das hier die erste Badestelle hinter dem Alex“, sagt Nikola John schmunzelnd. „Von dort sind es mit der Tram M5 oder dem Fahrrad keine 15 Minuten.“ Für sie liegt der See – geografisch unkorrekt – „hinter dem Alex“, weil sie tagsüber in der Berliner Vertretung der Europäischen Union am Pariser Platz arbeitet. Der Alex liegt zwischen Arbeitsstätte und ihrem Zuhause.

Jeder kennt jeden

„Ich liebe diese Oase in der Großstadt, diese dörfliche oder vielleicht sollte ich sagen: kleinstädtische Atmosphäre“, sagt die gebürtige Lausitzerin. „Jeder kennt hier jeden, man trifft sich öfter beim Bäcker, auf ein Bier oder spielt Volleyball miteinander im Strandbad.“ Nikola John lebt nicht nur hier, sie engagiert sich für ihren Kiez im 2005 gegründeten Förderverein. Ihm gehören heute 150 Mitglieder an. Zu Beginn ging es den Gründern vor allem um die Sanierung des Oranke- und des benachbarten Obersees. Heute solle die Gegend um die Seen zu einem immer schöneren Park für alle werden, sagt Nikola John.

Bauhaus-Fans kennen die Gegend natürlich bereits, sagt sie. Auf einem großen, stillen Gartengrundstück am Obersee liegt, klein aber fein, ein Mies-van-der-Rohe-Bau namens „Haus Lemke“. Geradliniger Funktionalismus und Idylle – hier geht das irgendwie doch zusammen. Für die denkmalschutzgerechte Sanierung brachten öffentliche Geldgeber und Bürger gemeinsam eine Million Euro auf.

Neues Wirtshaus in Planung

Ein Idyll mit Wasserblick muss einst auch das Wirtshaus am Orankesee gewesen sein. In den 20er-Jahren wurde es von einem gewissen Wilhelm Heinrich, der sich als Vorstadt-Barde und Autor Heiden-Heinrich nannte, gebaut. Geblieben ist von ihm offenbar neben dem Haus nur ein schmales Heftchen mit Liedtexten. Dem wiederum hat sich Nikola John in jüngster Zeit besonders gewidmet. Sie versuchte, die Melodie zum Text zu finden, denn die war in dem Heftchen nicht enthalten. Doch die originalen Noten waren nicht aufzufinden. So musste notgedrungen eine neue Komposition her. „Diese präsentieren wir nun auf dem Seefest am 3. September“, sagt Nikola John stolz.

Auch ein Nachfolger für Heiden-Heinrichs Wirtshaus entsteht derzeit, die Bauarbeiten für die Seeterrassen sind im vollen Gange.