Berlin - Vor anderthalb Jahren öffneten Sara Wolf und Milena Glimbovski in der Wiener Straße in Kreuzberg den ersten Berliner Supermarkt, der ohne Einwegverpackung auskommt. „Original Unverpackt“ heißt der Laden, in dem es anfangs 350 Produkte gab, etwa Linsen, Nüsse, Nudeln, Müsli, Öle, Essig, Gewürze und Kosmetik. International bekannt wurden die Gründerinnen mit ihrem Crowdfunding-Projekt, als innerhalb weniger Wochen Unterstützer mehr als 100.000 Euro für diese ökologische Idee spendeten.

„Wir haben in den ersten Monaten nach der Eröffnung viel Lehrgeld gezahlt“, sagt Milena Glimbovski heute. Damit sich ihre Idee vom Supermarkt ohne Verpackungsmüll schnell verbreitet, gibt sie ihre Erfahrungen inzwischen jeden Monat in Seminaren an interessierte Menschen in anderen Städten weiter. Etwa zehn vergleichbare Unverpackt-Läden sind seitdem entstanden, es gibt sie jetzt auch in Hannover, München und Schwäbisch Gmünd.

600 Produkte gibt es bei Original Unverpackt

Die täglich über hundert Kunden sind es längst gewohnt, dass sie zu jedem Einkauf ihre Dosen, Flaschen, Gläser und sonstigen Verpackungen mitbringen. Man kann Mehrwegbehälter und Schraubgläser auch im Laden kaufen. Das Warensortiment besteht jetzt aus etwa 600 Produkten. Neu sind Zahnputztabletten, Gewürze, Pasta, Whiskeys und Liköre, die man in Fläschchen abfüllt, und lose Schokolade. Sogar Toilettenpapier aus Bambus ist im Angebot.

Geschäftsfrau Milena Glimbovski sagt, natürlich sei das verpackungsfreie Verkaufsprinzip aufwendiger als im Discounter. Doch, und darauf sind die Betreiber besonders stolz, die Preise liegen unter denen von Super- und Biomärkten. „Wir müssen hart kalkulieren, spüren aber auch große Dankbarkeit“, sagt sie. Neun Beschäftigte arbeiten im Laden. Sie bekommen mehr als den Mindestlohn gezahlt, auch das gehört zur Philosophie des Unternehmens.

Original Unverpackt soll in Prenzlauer Berg eröffnen

Und es gibt weitere Pläne. Weil das Interesse am Laden auch außerhalb Berlins sehr groß ist, werden die Waren jetzt auch im Online-Shop verkauft. Die Päckchen an die Kunden versenden die Mitarbeiter mit übrig gebliebenem Verpackungsmaterial der Lieferungen in den Laden. Und auch die Eröffnung eines neuen Geschäfts in Berlin wird vorbereitet. Als Standort ist Prenzlauer Berg im Gespräch.