Flüge fielen aus, Züge mussten warten und selbst Deutschlands prominentester Weihnachtsbaum stürzte um. Der Sturm „Xaver“ verursachte in der Nacht zum Freitag in Berlin einige Schäden. Verletzte Menschen gab es aber nicht. Im Vergleich zu Norddeutschland kam die Hauptstadt weitgehend unversehrt davon. So lautete das Fazit der Berliner Feuerwehr am Freitagmittag nach 430 Einsätzen.

Der Deutsche Wetterdienst verlängerte seine Unwetterwarnung bis Freitagabend. Es sei weiterhin mit orkanartigen Böen mit über 100 Stundenkilometern (Stärke 11) zu rechnen sowie mit Behinderungen durch Schnee und Schneematsch.

„Wir haben mit Schlimmerem gerechnet, sind aber mit einem blauen Auge davon gekommen“, sagte der Feuerwehrsprecher Sven Gerling. Seit Donnerstagnachmittag galt in Berlin für die Feuerwehr der Ausnahmezustand. Nach 150 Einsätzen in der Nacht gab es am Freitag bis 14.00 Uhr rund 280 Einsätze. Erst am Abend werde es ruhiger, hieß es.

Bahn- und Flugreisende und S-Bahn-Fahrgäste bekamen „Xaver“ zu spüren. Auf dem Flughafen Tegel wurden bis zum Mittag je 30 Landungen und Abflüge gestrichen. Schnee wurde geräumt und Flugzeuge enteist.
Am Freitagvormittag unterbrach die Bahn den Zugverkehr zwischen Berlin und Hamburg kurzzeitig, weil ein umgestürzter Baum die Gleise blockierte. Fahrgäste wurden mit Bussen nach Hamburg gebracht. Viele Züge verspäteten sich, weil sie wegen der Windböen nicht so schnell wie sonst fahren konnten.

Die U-Bahnlinie 3 konnte zeitweise zwischen Breitenbachplatz und Krumme Lanke im Südwesten nicht fahren, weil eine 20 Meter hohe, entwurzelte Kiefer drohte, auf die oberirdisch verlaufenden Gleise zu fallen. Eine Kindertagesstätte in direkter Nähe wurde evakuiert, 175 Kinder wurden in Sicherheit gebracht. Die Feuerwehr versuchte, den Baum kontrolliert umzustürzen, um ihn dann zu zersägen und abzutransportieren.

Auch die S-Bahn zwischen Wannsee und Zehlendorf konnte vorübergehend nicht fahren, weil die Gleise blockiert waren. Einige Regionalzüge verspäteten sich wegen beschädigter Stromleitungen oder Schneeverwehungen.
Der Weihnachtsbaum vor dem Schloss Bellevue, dem Amtssitz von Bundespräsident Joachim Gauck, wurde in der Nacht zu Freitag von heftigen Windböen umgerissen. Die 13 Meter hohe Tanne sollte aber noch am Freitag wieder aufgerichtet werden.

Am Potsdamer Platz wurde eine große Werbewand an einem Haus so stark beschädigt, dass sie abgenommen werden musste. Die Feuerwehr musste mehrere schwankende Baugerüste sichern. Bäume stürzten gegen Häuser, auf Straßen und Autos. Zahlreiche Ampeln fielen aus und Baustellenabsperrungen wurden vom Wind durch die Gegend geschleudert.

Im Stromnetz kam es zu kurzen Spannungsabfällen, so dass Lampen flackerten. Ein Vattenfall-Sprecher sagte dem Radiosender 104.6 RTL, Hochspannungsleitungen im Umland könnten in Schwingung geraten und sich kurz berühren. Eine Art Kurzschluss könne sich so in nachfolgende Leitungen übertragen

Die Schulpflicht am Freitag war von der Bildungsverwaltung aufgehoben worden. Eltern konnten selber entscheiden, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken. Mehrere Weihnachtsmärkte wollten abhängig von der Wetterlage erst im Lauf des Tages wieder öffnen. (dpa)