So viel steht fest: Im Osten Berlins soll eine neue Nord-Süd-Straßenverbindung entstehen, die von Marzahn nach Köpenick führen wird. Wo genau die vierspurige Fahrbahn verlaufen soll, war allerdings bislang noch Gegenstand von Diskussionen zwischen dem Senat und den beteiligten drei Bezirken. Doch nun ist ein Kompromiss zur geplanten Tangentialen Verbindung Ost(TVO) in Sicht. „Wir sind auf einem guten Weg“, teilte Christian Gräff (CDU), Stadtrat für Wirtschaft und Stadtentwicklung in Marzahn-Hellersdorf, auf Anfrage mit. Im Senat hält man es für möglich, dass der Kompromiss noch 2012 besiegelt wird und der Bau 2016 beginnt.

Nach Informationen der Berliner Zeitung ist es nun so gut wie sicher, dass der geplante 6,6 Kilometer lange Neubauabschnitt der TVO auf ganzer Linie östlich der Bahntrasse des Außenrings verläuft. Die Bezirke Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg und Treptow-Köpenick hatten sich stattdessen dafür eingesetzt, dass die Straße im Norden von der Märkischen Allee kommend zunächst auf die Westseite der Bahn wechselt.

Erst in Höhe der Alfelder Straße dürfte die Trasse auf die Ostseite der Bahn zurückkehren. So könnte verhindert werden, dass in Biesdorf bis zu 15 Grundstücke für die Straße in Anspruch genommen und Wohnhäuser abgerissen werden müssen. Doch der Senat ist gegen diese Streckenführung – und bleibt bei seiner Ablehnung. Staatssekretär Christian Gaebler (SPD): „Dies wäre nicht planfeststellungsfähig.“ Zum einen, weil die Straße auf der Westseite der Bahn durch geschützte Naturbereiche verlaufen würde – durch den als Flora-Fauna-Habitat besonders geschützten Biesenhorster Sand. Zum anderen, weil die Straßenunterführungen, die für die Bezirksvariante nötig würden, das Vorhaben enorm verteuern würden. „Um mehr als 20 Millionen auf knapp 101 Millionen Euro“, wie Gaebler vorrechnete.

Trotzdem ist der Kompromiss, der sich jetzt abzeichnet, auch für Gräff und seine Mitstreiter ein Erfolg. Denn dem Vernehmen nach will der Senat seine Planungen, die TVO an bis zu zehn Stellen an das östlich benachbarte Straßennetz von Biesdorf-Süd anzuschließen, noch einmal überprüfen. Es könnte sein, dass in den Wohnvierteln weniger Straßen als bisher vorgesehen direkt auf die neue Trasse führen.

„Wir müssen darauf achten, dass die umliegenden Wohngebiete nicht mit zusätzlichem Verkehr belastet werden“, bekräftigte Bezirksstadtrat Gräff. Den Wunsch der Bezirke, auf alle östlichen Anbindungen zu verzichten, will der Senat jedoch nicht erfüllen. „Sonst würde die Straße keinen Sinn haben und verkehrlich nicht wirksam werden“, sagte Staatssekretär Gaebler. Der Lückenschluss in der TVO solle dazu dienen, die parallel verlaufende Köpenicker Straße zu entlasten.

Inzwischen zeichnet sich die erste Klage gegen das Straßenbauprojekt ab. „Wir werden dies prüfen“, hieß es beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Zunächst sei die Straße zweispurig geplant worden, für die nun vorgesehenen vier Fahrstreifen sieht der BUND keine Berechtigung. Ganz taufrisch ist das Thema TVO nicht. Das Projekt, den Osten und den Südosten Berlins mit einer leistungsfähigen Straße zu verbinden, fand sich schon 1969 im Generalverkehrsplan der Hauptstadt der DDR. In den 70er-Jahren entstand mit der Großwohnsiedlung Marzahn das nördliche Teilstück der TVO – heute die Märkische Allee. Erst nach der Wende wurde der erste südliche Abschnitt fertig. Seit 2002 führt die Spindlersfelder Straße von An der Wuhlheide zur Oberspreestraße. Herzstück ist die Wilhelm-Spindler-Brücke über die Spree.