Berlin - Ein weiteres Berliner Großprojekt dauert länger als geplant – und wird zudem teurer. Der Umbau des Bahnhofs Ostkreuz, der Ende 2016 abgeschlossen werden sollte, verzögert sich bis 2018. Die Kosten, die auf 411 Millionen Euro veranschlagt worden waren, erhöhen sich um sechs Millionen Euro. Das teilte Mario Wand von der DB Projekt Bau am Mittwoch mit. An der Verspätung und der Verteuerung sei jedoch nicht die Bahn schuld. Weil das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) mehr als elf Jahre gebraucht habe, die Genehmigung für einen wichtigen Teil des Projekts zu erlassen, sei der Zeitplan durcheinander geraten. „Keine seriöse Terminplanung kann davon ausgehen, dass ein Verfahren so lange dauert“, so der Projektleiter.

Entlang der Strecke vom Ostkreuz nach Rummelsburg soll die künftig fünfgleisige Trasse näher an die Wohnhäuser der Hauptstraße heranrücken, so dass lange über den Schutz vor Lärm und Erschütterungen diskutiert wurde. Folge war, dass der sehnlichst erwartete Planfeststellungsbeschluss erst im Dezember 2012 fertig war – und nicht wie erhofft im September 2011.

Auch die neue Zeitplanung bleibt weiter unsicher

Wand erläuterte den neuen Terminplan. „Mit jeder Bau-Etappe wird es am Ostkreuz für die Fahrgäste besser und komfortabler.“ So werden vom Juli 2014 an alle Bahnsteige per Aufzug und Fahrtreppe erreichbar sein – erstmals in der Geschichte des Knotenpunkts. Im Dezember 2014 kann der Regionalbahnsteig auf dem Ring in Betrieb gehen. Wohin man von dort fahren kann, ist noch nicht klar. Ab Sommer 2015 wäre es aber möglich, mit Regionalzügen zum Flughafen BER zu gelangen. Im August 2016 soll im S-Bahnhof Warschauer Straße das neue Empfangsgebäude fertig sein.

Doch die wichtigsten Verbesserungen werden sich spürbar verzögern. „Die Menschen entlang der S-Bahn-Linie 3 sind die Hauptbetroffenen,“ so Wands Sprecher Michael Baufeld. Die Züge der S3 aus Erkner werden erst von August 2017 an wieder in die Innenstadt fahren können. Ursprünglich sollte es nur bis Ende 2015 heißen: umsteigen am Ostkreuz! Auch die direkte S-Bahn-Verbindung von Schönefeld über Adlershof und Schöneweide ins Stadtzentrum, die künftig am BER beginnt, wird nicht vor August 2017 reaktiviert. Die Wiederinbetriebnahme der Ostkreuz-Südkurve verzögert sich um fast drei Jahre.

Die Bahnsteige an der Ostbahn, an den die Züge von und nach Kostrzyn (Küstrin) halten werden, sind erst im Dezember 2017 betriebsbereit – ein Jahr später als geplant. Das gilt auch für den Bahnsteig, an dem unter anderem der Regionalexpress RE 1 nach Magdeburg, Potsdam und Frankfurt (Oder) stoppen wird. Der Richtungsbetrieb, bei dem der S-Bahn-Verkehr in Richtung Westen und Osten an je einem Bahnsteig konzentriert wird, ist ebenfalls nicht früher möglich. 2018 ist das Ostkreuz fertig. „Dann folgt der I-Punkt: Dann soll die historische Fußgängerbrücke aus den 20er Jahren wiederaufgebaut sein“, sagte Wand.

Aber nicht einmal diese Zeitplanung ist sicher. Damit sie klappt, muss das EBA drei weitere Planfeststellungsbeschlüsse innerhalb von drei Jahren ausstellen. Einer betrifft den Lärmschutz in Rummelsburg, ein anderer die vom EBA geforderten Änderungen der Gleisabständen vor dem Ostbahnhof – sie verursachen die Mehrkosten in Höhe von sechs Millionen Euro. Das Projekt Ostkreuz bleibt eine Zitterpartie.