So hat man Jugendherbergen aus der eigenen Schulzeit nicht in Erinnerung. Die Zimmer sind hell, die Fenster hoch und die Möbel weiß. Jeder Raum besitzt ein eigenes Bad. Es gibt ein großzügiges Restaurant, sogar eine kleine Bar. Den alten, schweren Türen ist anzusehen, dass dies einmal eine Schule war. Die neue Jugendherberge am Ostkreuz ist am Wochenende mit einem Besichtigungstag für die Anwohner im Kiez eröffnet worden, ab 1. Juli kommen die ersten Gäste.

„Diese Herberge ist mehr als nur ein Dach über dem Kopf“, sagte Geschäftsführer Jacob Geditz am Sonnabend. „Wir haben ein anspruchsvolles Konzept, das touristische Attraktivität mit Bildungsangeboten mischt.“ 1907 war das Haus als Mädchen- und Jungengymnasium errichtet worden. Seit dem Auszug der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft 2009 stand es leer. Jetzt ist der denkmalgeschützte Bau mit 445 Betten und 16 Seminarräumen und Aula die größte Jugendherberge Deutschlands. Jährlich werden 100.000 Gäste erwartet.

Zu viel Geld für einen Verband

Zehn Millionen Euro hat das Jugendherbergswerk in die zwei Jahre dauernde Rekonstruktion investiert. Möglich wurde das Projekt nur, weil acht Landesverbände gemeinsam eine gemeinnützige Betriebsgesellschaft gründeten – ein bisher einzigartiges Vorgehen. Das Haus am Ostkreuz ist erst die vierte Jugendherberge in der Hauptstadt. Und es ist die erste im Osten Berlins.

Die Unterkunft hatte in der Vergangenheit für Konflikte gesorgt, mit denen sich auch der Vermögensausschuss des Abgeordnetenhauses beschäftigte. Ein Hostelbetreiber aus der Gegend hatte wegen unlauteren Wettbewerbs geklagt. Der Grund: Das Land Berlin überlässt die Herberge 30 Jahre lang unentgeltlich dem Jugendherbergswerk. Nach marktüblichem Pachtzins würden dem Land rund 600 000 Euro im Jahr entgehen, wurde kritisiert. Die Landesregierung verwies auf die Zielgruppe der Herberge: Schülergruppen, Familien und Vereine. Das Verwaltungsgericht entschied zugunsten der Herberge.

Man hätte eine Schule wieder zu einer Schule machen sollen, argumentierten die Anwohner rund um den Rummelsburger See. Sie kämpfen seit Jahren für ein ausreichendes Angebot im Kiez. Inzwischen gibt es zwar ein Gutachten, das einen anderen Standort vorschlägt, aber bis zur Realisierung eines Neubaus wird es noch dauern.

„Sowohl für das Land Berlin, als auch für uns ist das eine Win-Win-Situation“, sagte Geschäftsführer Jacob Geditz. Der Betreiber hat nicht nur Millionen in die Rekonstruktion gesteckt, er hat sich auch zum Ausbau und zur Instandhaltung verpflichtet. Dadurch entstehe für das Land Berlin eine beträchtliche Wertsteigerung. Es handle sich aber nicht nur um einen Übernachtungsort, sondern auch um einen Bildungsort. Dieser Programmteil startet Mitte Juli mit einer internationalen Deutscholympiade, die das Goethe-Institut ausrichtet. Erwartet werden mehr als 100 Jugendliche aus 43 Ländern.