Ostkreuz: Erst kraxeln, dann fahren

Berlin - Ein gültiger Fahrschein reicht nicht aus. S-Bahn-Fahrgäste im Osten Berlins sollten auch gut laufen und Treppen steigen können – zumindest dann, wenn sie Karlshorst, Köpenick und andere Stationen an der S 3 ansteuern. Denn auf sie kommen noch größere Unannehmlichkeiten zu als bislang absehbar war. Von Montag an beginnen die S-Bahnen nach Erkner erst am Ostkreuz – bis Ende 2015.

Wer sie dort aus Richtung Stadtzentrum erreichen will, muss beim Umsteigen den Bahnsteig wechseln und steile Treppen bewältigen. Ursprünglich sollte dies nur für die stadteinwärts fahrenden S-3-Nutzer gelten. Doch weil die Deutsche Bahn (DB) mit dem Umbau von Signaltechnik nicht rechtzeitig fertig geworden ist, müssen bis Januar auch die stadtauswärts fahrenden S-3-Reisenden am Ostkreuz Treppen steigen, bevor sie weiterfahren können. Das teilte die DB am gestrigen Dienstag mit.

Busse für Rollstuhlfahrer und Senioren

„Es wird Gedränge geben“, sagte Michael Baufeld. Er ist Sprecher der DB Projekt Bau, die für den Umbau des Ostkreuzes verantwortlich ist. Zwar soll dort bis Montag ein zweiter Treppenabgang zum Erkner-Bahnsteig E gebaut werden. Doch Baufeld rät den Fahrgästen im Einzugsbereich der S 3, das Ostkreuz zu umfahren. Ein Beispiel: „Karlshorster gelangen mit der Straßenbahn zum U-Bahnhof Tierpark. Von da aus geht es mit der U 5 weiter.“ Für Rollstuhlfahrer, Senioren und andere Fahrgäste, die in ihrer Mobilität beschränkt sind, setzt die S-Bahn Busse zwischen Rummelsburg und Lichtenberg ein. Die Telefonnummer wird noch bekanntgegeben.

Was war geschehen? Am Wochenende hatte die DB am Ostkreuz wie geplant eine Weiche eingebaut, die es S-Bahnen nach Lichtenberg erlaubt, am Erkner-Bahnsteig zu halten. Dies würde zumindest den stadtauswärts fahrenden Fahrgästen das Umsteigen zur S 3 enorm erleichtern – sie müssten nur über den Bahnsteig laufen. Doch mit dem Weicheneinbau ist es nicht getan.

Auch die Signaltechnik im Stellwerk am Ostkreuz-Bahnsteig D, das seit 1970 in Betrieb ist, muss angepasst werden. Und dabei gab es Probleme: Ein Prüfer stellte am Sonntag fest, dass ein Bauteil, das reaktiviert werden soll, nicht mehr funktioniert. „Es muss ersetzt werden, war aber in kurzer Zeit nicht zu beschaffen“, so Projektleiter Mario Wand. Nach dem jetzigen Zeitplan könne die Weiche spätestens am 16. Januar in Betrieb gehen. Wand hofft, dass es nicht so lang dauert. Nicht nur er.