Nach gut einem Jahr ist der Streit um die Umbenennung der Pacelliallee in Dahlem beigelegt. Die Straße behält ihren umstrittenen Namen, wird aber zu einem Geschichtslehrpfad umgestaltet. Das hat die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Steglitz-Zehlendorf beschlossen. Mithilfe von Stelen an einzelnen Villen soll die Zeit des Nationalsozialismus in dieser Straße herausgearbeitet werden, heißt es in dem Beschluss, dem nur die AfD nicht gefolgt ist. „Anhand der Geschichte einzelner Gebäude, die sich in jüdischem Besitz befanden, und anhand des Pfarrhauses von St. Annen, in dem Martin Niemöller tätig war, und als Klammer die Person des Nuntius Pacelli bzw. des späteren Papst Pius XII, sollte eine Allee des Gedenkens und Nachdenkens entstehen“.

Die Bezirksverordneten folgten damit einem Kompromissvorschlag des Historikers Julien Reitzenstein, der vor einem Jahr die Petition zur Umbenennung initiiert hatte. Seine Recherchen haben ergeben, dass die Zahl der jüdischen Hauseigentümer, die ihren Besitz und oft auch ihr Leben durch antisemitische Verfolgung verloren haben, hier weit höher als der Berliner Durchschnitt liege. Er bezeichnete es als zumindest geschmacklos, „dass der Mann, der als Papst Pius Verantwortung dafür trug, dass sich unzählige antisemitische Täter mit Hilfe des Vatikans der Justiz entziehen konnten, heute Namensgeber eines Tatortes ist“. Stattdessen sollte die Straße nach der israelischen Politikerin Golda Meir benannt werden.

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