Berlin - Bisher haben genau 847 angestellte Pädagogen in einem Schreiben angekündigt, in ein anderes Bundesland zu wechseln, sollten sie nicht verbeamtet werden. Am Montagmittag überreichten drei Lehrerinnen der Schöneberger Sternberg-Grundschule, die die Aktion gestartet haben, die Unterschriften in der Bildungsverwaltung. „Es geht uns um Gerechtigkeit“, sagte die 36-jährige Lehrerin Katharina Legnowska im Foyer der Bildungsverwaltung am Alexanderplatz. „Wir machen die gleiche Arbeit, aber die verbeamteten Kollegen sind besser gestellt.“

Ihre Kollegin Maren Peters-Choi plant konkret einen Wechsel nach Brandenburg, spätestens im nächsten Jahr. „Ich habe zwei Kinder, dort würde ich als Beamtin Familienzuschläge erhalten“, sagt die 38-jährige Lehrerin. „Außerdem denke ich ans Alter, dann würde ich gerne eine ordentliche Pension haben.“ Sie sagt noch, das sei keine Drohung. „Wenn immer wieder Lehrer in andere Bundesländer gehen, tut das der Schulentwicklung nicht gut“ sagt die Dritte, die 38-jährige Lehrerin Alina Fröhlich. Gerade für Grundschulkinder sei doch die langfristige Beziehung zum Klassenlehrer wichtig.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) nahm die Aktion am Montag zum Anlass, sich erstmals öffentlich klar für die Rückkehr zur Lehrerverbeamtung auszusprechen. „Nach Abwägung aller Vor- und Nachteile halte ich die Verbeamtung für sinnvoll, um voll ausgebildete Lehrkräfte halten zu können und wettbewerbsfähig zu sein“, sagte Scheeres der Berliner Zeitung. „Meine Partei wird dieses Thema auf dem Parteitag am Samstag diskutieren.“

Berlin verbeamtet seit 2004 seine eigenen Lehrer nicht mehr. Weil es mittlerweile an voll ausgebildeten Lehrern mangelt, mehren sich in der SPD die Stimmen, zu einer Verbeamtung zurückzukehren. Der SPD-Landesparteitag wird am Sonnabend über diese Frage abstimmen. Natürlich nutzen das nun angestellte Berliner Lehrer, um Stimmung für eine Rückkehr zur Lehrerverbeamtung zu machen. Berlin ist mittlerweile das einzige Bundesland, das die eigenen Lehrer nicht verbeamtet – kommen sie aus anderen Bundesländern nach Berlin, werden sie hingegen als Beamte übernommen.

Die Unterschriftenlisten hatten in zahlreichen Schulen im gesamten Stadtgebiet ausgelegen. Einige Schulleiter hätten die Aktion verboten, andere seien nicht zu erreichen gewesen, berichten die Lehrerinnen der Sternberg-Schule. Gegen die Verbeamtung in Berlin sprachen bisher die hohen Pensionslasten und die vergleichsweise große Zahl von dauerkranken Pädagogen. Beamte erhalten anders als angestellte Lehrer eine 100-prozentige Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Auch beim Gehalt müsste Berlin mehr zahlen, machte Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) am Montag klar.

Hunderte Lehrer drohen Berlin zu verlassen: Verbeamtete Pädagogen bekommen im Berufsleben 84.400 Euro mehr als Tarifbeschäftigte 

„Bei einem Netto-Einkommensvergleich erhält die verbeamtete Lehrkraft in den ersten fünf Dienstjahren durchschnittlich 150 Euro pro Monat weniger“, teilte Kollatz auf Anfrage mit. Danach aber würde der Netto-Nachteil zum Netto-Vorteil. Der Finanzsenator: „Bis zum Pensionseintritt werden verbeamtete Lehrer im Laufe ihres Berufslebens rund 84.400 Euro mehr erhalten als Tarifbeschäftigte.“ Dabei ist schon mit eingerechnet, das angestellte Lehrer derzeit sofort bei Einstellung in die nahezu höchstmögliche Gehaltsstufe kommen. Hinzu kommen dann noch die üppigeren Pensionszahlungen. Allerdings werden längst nicht alle derzeit 18.000 angestellten Lehrer verbeamtet werden.

Mindestens 5000 dürften das Nachsehen haben, weil sie die Altersgrenze überschritten haben oder gesundheitliche Gründe dagegen sprechen. Derzeit liegt die Altersgrenze in Berlin noch bei 50 Jahren. Doch das dürfte laut Kollatz nach jüngsten Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichtes nichtig sein. In Berlin ist derzeit ein Gesetzentwurf in der Abstimmung, der festlegt, dass die Altersgrenze 20 Jahre vor dem Eintritt in den Ruhestand liegen muss. Das wäre derzeit ab 45 Jahren, ab voraussichtlich 2021 dann ab 47 Jahren.