Berlin - Ein Pärchen hat Sex. Jedoch nicht in den eigenen vier Wänden, sondern in einem Berliner Park, der Hasenheide. Am helllichten Tag. Und wie es heute so ist: Das Pärchen wird gefilmt, der Film macht die Runde über den Boulevard, zirkuliert in den sozialen Netzwerken und man wird unfreiwillig zum Spanner, selbst wenn man das krisselige Filmchen gar nicht anschaut.

Schon die Information reicht aus. Hätte man das Pärchen selbst beim Sex im Park gesehen, hätte man, ganz Berliner eben, mit den Augen gerollt, wäre weitergegangen und hätte es unter Umständen noch zwei Bekannten erzählt und dann vergessen. Das Filmchen aber bleibt wahrscheinlich für immer im Netz. Und dabei will das niemand sehen, denn die vermeintliche vielbeschworene Berliner Freiheit lebt auch von ihrer Vergänglichkeit.

Allzeit filmende und dokumentierende Öffentlichkeit

Ob hier zwei Menschen im Park Verkehr haben, interessiert in der Regel niemanden. Digital verewigt jedoch ist das eine Zumutung. Viele Menschen mögen das spießig finden. Viel spießiger ist jedoch dieses Möchtegernfrivole, dieser piefige Drang, es in einer allzeit filmenden, fotografieren und dokumentierenden Öffentlichkeit zu tun. Denn heute kann man ja davon ausgehen, dass man dabei mittels Mobiltelefon gefilmt wird, was in diesem Falle nicht weniger spießig ist. Spanner und Bespannte werden hier also eins: zu einem Grüppchen kichernder Biederbürger. Dann können sie sich doch auch eigentlich gleich in den eigenen vier Wänden treffen. Das würde allen anderen viel ersparen.