In der Weihnachtszeit hat die Post besonders viel zu tun.
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BerlinVor ein paar Tagen stand der Flur voller Pakete. Waren alle für verschiedene Nachbarn. Der Paketbote hatte geklingelt und behauptet, von den anderen sei keiner Zuhause. Und weil das einmal so gut geklappt hat, machte er es am nächsten Tag einfach genau so. Nein zu sagen ist blöd, das würde den Nachbarn den Empfang ihrer Pakete erschweren – und der Stress der Zusteller ist sowieso allgemein bekannt, zur Weihnachtszeit allemal.

Manchmal dauert es aber wirklich lange, bis alle Pakete abgeholt werden, einmal gar zwei Wochen. Dieses Mal hingegen war erstaunlich, dass manche Nachbarn sich mit dem Boten fast die Klingel in die Hand gaben und betonten, sie seien doch selbst Zuhause gewesen, hätten sogar dringend auf das jeweilige Paket gewartet. Es schwingt ein vorwurfsvoller Ton mit, der fast ein Schuldgefühl für die Paketannahme hervorruft, für die Komplizenschaft mit dem Boten.

Tags darauf lässt sich ein Gang zur Postfiliale trotz Weihnachtszeit nicht vermeiden. Die Schlange ist nur halb so lang wie erwartet und reicht nicht mal bis nach draußen auf den Gehweg. Einer jungen Frau wird die Tür aufgehalten, als sie die Filiale verlassen will. Sie muss wohl ein Expat sein, denn sie sagt „Thank you“. In einer internationalen Metropole erübrigt sich das Erlernen selbst des Grundvokabulars.

Effizienz der Postfilialen zweifelhaft

Kurz darauf sieht der Mann am Ende der Schlange einen Paketboten mit Fracht auf den Eingang zusteuern und öffnet ihm die Tür. Der geht stur vorbei und bedankt sich in überhaupt keiner Sprache. An einer Wand steht eine Kommode mit Zebramuster, darauf eine Thermoskanne, eine Packung H-Milch, Zucker und Becher, darüber hängt ein Spiegel, der den Inhalt, nun ja, anpreist: „Mittelguter Kaffee“, daneben ein Smiley.

Ehrlich währt am längsten. Niemand rührt den Kaffee an. Immerhin ist er kostenlos, was für die wirklich zeitfressenden Zusatzangebote der Post nicht gilt. Bis heute ist unklar, warum man mit Post und Paket in einer Schlange warten muss, während andere Leute Geld abheben. Man gibt doch seine Pakete auch nicht in einer x-beliebigen Bankfiliale auf. Während dieser Überlegung spielt eine Kundin Lotto, was keine Metapher ist, sie gibt gleich ihren Spielschein ab. Der Preis für Einwurfeinschreiben ist seit dem vergangenen Jahr übrigens um 15 Cent gestiegen.