Berlin - Was für die Piratenpartei bisher als besonders verwegenes und alternatives Outfit galt, gerät nun zum Politikum. Denn das Palästinensertuch, das der Piraten-Abgeordnete Gerwald Claus-Brunner ständig um den Kopf gewickelt trägt, hat eine neue Debatte ausgelöst: politischer Symbolgehalt kontra Harmlosigkeit. Unterstützt, wer das Tuch trägt, den Kampf der Palästinenser und ist damit automatisch ein Israelhasser? Oder ist es legitim und völlig unbedenklich, das Pali-Tuch als modisches Accessoire anzusehen, das man sich einfach um Kopf oder Hals wickeln kann?

Ausgelöst hat die neue Debatte die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch. Sie wirft Claus- Brunner vor, er signalisiere mit dem Tuch eine nationale und antijüdische Gesinnung. Er unterstütze den Kampf der Palästinenser gegen Israel und gegen die Juden. Am Freitag sagte Charlotte Knobloch, heute Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, sie wolle sich nun mit Claus-Brunner zum Gespräch treffen. Sie sagte, überall sei das Tuch heute als Modeartikel präsent, ohne dass die Träger über dessen Herkunft und Bedeutung nachdenken.

Teure Kollektionen

Diese Debatte gab es schon einmal. Vor einigen Jahren hingen die Pali-Tücher in großen Mengen in den Modeabteilungen der Kaufhäuser. Designer entwarfen teure Kollektionen, in denen das Tuch zum Accessoire im Revoluzzer-Chic wurde. Trugen doch arabische Krieger und Anführer wie etwa Palästinenserführer Jassir Arafat ständig ein Pali-Tuch um den Kopf. Es gab lange Debatten in der linken Szene. Wer sich für die Befreiung unterdrückter Staaten einsetzte und ein Pali-Tuch trug, dem wurde Antisemitismus vorgeworfen; wer das nur als Kleidung trug, musste sich fragen lassen: „Ist dir kalt oder hast du was gegen Juden?