Palais Redern zwischen Glanz und Trutz

Stararchitekt Karl Friedrich Schinkel baute am Pariser Platz ein repräsentatives Haus für den obersten Theatermann der Zeit. Keine hundert Jahre musste es noch mehr Opulenz weichen.

Berlin-Mitte-Allererste Adresse: Unter den Linden 1/Ecke Pariser Platz. Dort steht heute das Hotel Adlon. Auch der Architekt dieses Palais war allererste Klasse: Karl Friedrich Schinkel. Schließlich der Bauherr: Graf Friedrich Wilhelm von Redern, seit 1825 Generalintendant der Königlichen Schauspiele von Berlin.

Palais Redern um 1900, Blick vom Pariser Platz
Palais Redern um 1900, Blick vom Pariser PlatzWikimedia/Fritz Stahl: Karl Friedrich Schinkel. Ernst Wasmuth, Berlin 1911.

Das Palais Redern entstand durch Umbau eines barocken Vorgängerbaus in den Jahren 1830 bis 1833. Schinkel ließ sich  durch italienische Palastbauten wie den Palazzo Pitti in Florenz inspirieren. Graf Redern kostete die Herstellung seines Traumhauses 35.850 Taler.

Modern mit Flachdach

Dass Schinkel in die barocke Anlage des Pariser Platzes einen neuen Stil platzieren durfte, brauchte einige Überzeugungsarbeit: Der Architekt selbst erstellte ein Gutachten, das König Friedrich Wilhelm III. zu der Meinung bewegte, der Platz müsse modernisiert werden.

Schinkel verzichtet auf das im Barock so beliebte und am Pariser Platz dominierende Mansardendach und präferierte es platt. So kommt er zum Kubus mit Flachdach -  wie auch im Fall der Bauakademie, die zur gleichen Zeit (1832 bis 1836) errichtet wurde. Die Fassade gestaltete Schinkel mit Rustikaquadern. 

Außen Festung, innen Schick

Manchem Zeitgenossen erschien das Gebäude als Festung. Auch spätere Kritiker konstatierten kriegerische Repräsentationsbegeisterung". Tatsächlich findet man auch in Gebäuden der NS-Zeit Stilelemente, die Schinkel im Palais Redern vorzeichnete.

Im Innern bietet Schinkel seinem Auftraggeber den gewünschten Raum zur Entfaltung von Glanz: hohe, von Tonnengewölben abgeschlossene Repräsentationsräume, Tanzsaal und Salon. Hier kam die Kunst- und Kulturwelt der Stadt zusammen, das Palast stieg auf   zum Zentrum für die gehobene Gesellschaft. General-Gartendirektor der königlich-preußischen Gärten Peter Joseph Lenné  legte im Anschluss an den Hof einen  rechteckigen Garten an.

1906 fiel der Schinkelbau dem nächsten Veränderungsschub zum Opfer. Dem Abriss des Palais Redern folgte der Neubau von Berlins repräsentativstem Hotel: das erste Adlon.