Sie ist Anwältin, sie ist blind. Jetzt hat die 35-jährige Pamela Pabst ein Buch geschrieben. Unter dem Titel „Ich sehe das, was ihr nicht seht“ berichtet sie über ihren Weg zur Juristin und ihren Platz in der Welt der Sehenden. Die 35-Jährige ist die erste deutsche Strafverteidigerin, die von Geburt an sehbehindert ist. Ihr Wahlspruch stamme vom früheren US-Präsidenten Bill Clinton, bekennt sie: „Nichts wird uns aufhalten. Alles ist möglich.“ Laut Verlag Hanser Berlin, der das Buch herausbringt, ermutigt Pabst mit ihren Einblicken ohne Larmoyanz Sehende wie Nichtsehende, konsequent ihren eigenen Weg zu gehen.

Pamela Pabst ging auf eine normale Schule, das Abitur legte sie zusammen mit sehenden Schülern ab. Das Jurastudium mit beiden Staatsexamen schaffte sie mit sprechendem Computer und extra Vorlesern. 2007 ließ sie sich als Anwältin in der Stadt nieder. Ihren großen Traum, Strafrichterin zu werden, musste sie aufgeben. Das ist laut Bundesgerichtshof nur Sehenden vorbehalten. Nun verteidigt die resolute Juristin am Kriminalgericht Moabit Drogendealer, Räuber oder Vergewaltiger und sagt selbstbewusst, sie habe sich einen guten Ruf erarbeitet. Ohne Helfer geht es aber nicht. Sie ackert Prozessakten mit einer Assistentin durch. Diese sei auch im Gericht ihr sehendes Auge, sagt sie.

Viele Menschen stellten sich Blindheit wie eine Höchststrafe vor, sagt die Anwältin. „Das ist sie aber nicht. Sie ist einfach eine andere Art zu leben.“ (dpa)

Pamela Pabst/Shirley Michaela Seul, „Ich sehe das, was ihr nicht seht“, Verlag Hanser Berlin, 202 Seiten, 17,90 Euro.