Stein des Anstoßes: Das Thälmann-Denkmal an der Greifswalder Straße.
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Berlin-PankowDas Ernst-Thälmann-Denkmal an der Greifswalder Straße mithilfe eines Kunstwerks kommentieren? Keine gute Idee, fanden viele Mitglieder der Pankower Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Die Pläne des Bezirksamts hatten einen leidenschaftlichen Streit in der rot-rot-grünen Zählgemeinschaft in Pankow entfacht.

Nun gibt es einen neuen Vorschlag: Ein Expertengremium aus drei fachkundigen Historikern soll parallel zur künstlerischen Kommentierung dafür sorgen, dass das Thälmann-Denkmal mit einer historisch-kritischen Kommentierung versehen wird.

Mögliche Mitglieder dieser Arbeitsgruppe könnten aus der Behörde des Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, der Bundesstiftung Aufarbeitung oder dem Forschungsverbund SED-Staat an der Freien Universität Berlin kommen. Den entsprechenden Antrag des Kulturausschusses hat die BVV am vergangenen Mittwoch beschlossen.

Kann Kunst die Büste kritisch einordnen?

Als der Bezirk im vergangenen Juni einen bundesweiten Kunstwettbewerb zur Kommentierung des Thälmann-Denkmals ausrief, war die Sorge groß, die kritische Einordnung der Büste und ihrer Entstehungsgeschichte könne unter den Tisch fallen.

Immerhin ist das Werk des sowjetischen Bildhauers Lew Kerbel für viele Prenzlauer Berger ein emotionales Thema: Die Errichtung des Kolosses im Jahr 1986 wurde von regimekritischen Bürgern als Affront und Machtdemonstration empfunden.

In einem Kunstwettbewerb sahen SPD und Grüne im Bezirk einen BVV-Beschluss von 2013 unterminiert, der eine kritische Kommentierung vorsah. Es könne nicht Aufgabe von Kunstschaffenden sein, die von der BVV beschlossene historisch-kritische Kommentierung zu liefern, so die Bezirksverordneten.

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Laut dem Linken-Fraktionsvorsitzenden Matthias Zarbock war alles ein großes Missverständnis. Die Gedenktafelkommission habe die Arbeit an ihrer Informationstafel lediglich zurückgestellt, damit die historisch-kritische Kommentierung an den Siegerentwurf des Kunstwettbewerbs angepasst werden kann. „In den Prozess des Kunstwettbewerbs ist dieser Auftrag aber eingeflossen“, so Zarbock. Am 8. April kürt das Preisgericht den Siegerentwurf. Innerhalb eines Monats wird das Konzept dann zusammen mit allen 110 eingegangenen Bewerbungen öffentlich ausgestellt.

Linke unterstützen neuen Antrag

SPD und Grüne wollten sichergehen und beantragten die Abkopplung der kritischen Kommentierung vom Kunstwettbewerb qua dreiköpfigen Expertengremiums. „Da es sich beim Thälmann-Denkmal um einen Geschichtsort mit vielfältigen inhaltlichen und historischen Schichtungen und Deutungsebenen handelt, ist (…) eine unabhängige und von sachkundigen Fachleuten erarbeitete, qualifizierte historisch-kritische Kommentierung bereitzustellen“, heißt es in dem Beschluss. Als bloßes „Anhängsel“ eines künstlerischen Entwurfs sei das nicht zu machen.

Die Fraktion der Linken hat den Antrag unterstützt. Für Zarbock steht fest: „Das Ziel einer kritischen Auseinandersetzung mit dem ganzen Themenfeld kann durch das Verfahren der künstlerischen Kommentierung noch besser und öffentlichkeitswirksamer erreicht werden. Wenn es Befürchtungen gab, dass dies anders ist, dann haben wir das nun gemeinsam ausgeräumt.“