Berlin - Der düster wirkende Neubau am Garbátyplatz könnte bald zum glitzernden Hingucker in Pankow werden. Reflektierender Metallschmuck an der dunklen Fassade des Einzelhandels- und Ärztezentrums soll den Gebäudekomplex künftig deutlich aufhellen. Von einer „neuen Gestaltung“ und einer „deutlichen Aufwertung“ spricht Jens-Holger Kirchner (Grüne), Stadtrat für Stadtentwicklung. Denkmalschützer und Stadtplaner im Bezirksamt beraten am heutigen Freitag über diesen Vorschlag. Damit scheint die bisherige Forderung des Bezirkes hinfällig zu sein, wonach der Investor die dunklen Fassadenteile gegen helle Elemente austauschen muss.

Beschwerden von Anwohnern

Die Idee mit dem Metallschmuck stammt von den Investoren des umstrittenen Einkaufs- und Ärztehauses selbst. Das Unternehmen Merz Architekten aus Aalen hatte sich bei dem etwa 20 Millionen Euro teuren Neubau nicht an die Vorgaben der Baugenehmigung gehalten. Etliche Anwohner und die Pankower SPD beschwerten sich über den „abscheulichen“ Neubau und die düstere Fassade.

„Weder fügt sich diese in das Straßenbild der Gebäude in der Florastraße und Berliner Straße ein, noch korrespondiert sie mit dem Bahnhofsgebäude“, schrieb der Vize-Fraktionschef der SPD, Gregor Kijora, an Stadtrat Kirchner. Dieser sagte, seine Behörde habe eine Fassade in einem „wesentlich helleren Farbton“ genehmigt, mit verschiedenfarbigen Fassadenfeldern. Diese sah man allerdings nie.

Der Bezirk eröffnete ein Bußgeldverfahren in Höhe von 50.000 Euro gegen die Investoren aus Baden-Württemberg, setzte es aber wieder aus, als erkennbar war, dass sich die Bauherren um eine gemeinsame Lösung bemühen. Das Areal um den Garbátyplatz steht unter Denkmalschutz.

Neugestaltung des Platzes in den nächsten Wochen

Seit April 2013 gehört das Gebäude der Karl-Schlecht-Stiftung. Die gemeinnützige Einrichtung aus Aichtal bei Stuttgart fördert Projekte, die sich mit Wissenschaft, Ethik, Bildung und Umwelt beschäftigen. Die Stiftung favorisiert das Metallschmuck-Konzept. „Wir sind an einer vernünftigen Lösung interessiert“, sagt Stiftungs-Geschäftsleiter Uwe Dyk. Sobald der Bezirk die Neugestaltung der Fassade genehmigt habe, werde die Stiftung mit den Bauarbeiten beginnen.

In den nächsten Wochen wird die Stiftung den Garbátyplatz neu gestalten. Das Denkmal für den jüdischen Zigarettenfabrikanten Josef Garbáty aus Pankow wird wiederaufgestellt, ebenso prüft die Stiftung, ob sie zusätzliche Abstellplätze für die täglich etwa 900 Fahrräder am S- und U-Bahnhof Pankow errichtet. Damit die Pankower ihre Räder nicht an die schwarze Fassade stellen.