Ein Video von einer AfD-Demonstration lässt starke Zweifel aufkommen, dass der   AfD-Stadtratskandidat  in  Pankow,  Nicolas Seifert, für den Posten geeignet ist.   Denn der  43-Jährige, der  am 16. November als Stadtrat gewählt werden will  und dann  für das Ordnungsamt und das Umweltressort zuständig wäre, löst Konflikte offenbar nicht immer nur mit Worten.

Auf einem Video von einer AfD-Demonstration im November 2015, das derzeit wieder viel angeschaut wird, ist zu sehen, wie Seifert dem als Clown verkleideten Reporter der ZDF-Satiresendung „heute show“, Ralf Kabelka, die Clownsperücke vom Kopf reißt und sie in einen Mülleimer am Straßenrand wirft. Als Kabelka daraufhin den AfD-Mann am Ärmel zieht, schubst Seifert den Reporter mit beiden Armen von sich. Im Video ist die Attacke ab Minute 1:35 zu sehen:

AfD-Demonstranten und Ordner verhindern weitere Attacken, sie rufen „Keine Gewalt!“.

Das Gerangel mit Ralf Kabelka, der früher als Autor für Harald Schmidt  arbeitete und heute mit Jan Böhmermann  auf Sendung ist,  sorgte  damals für großes Aufsehen. Für das ZDF war der Clip ein gelungener Satirebeitrag. Die AfD war unter dem Motto „Asyl braucht Grenzen – Rote Karte für Merkel“ durch Berlins Mitte gezogen. Laut AfD war die Demo „die Höhepunktveranstaltung der AfD-Herbstoffensive 2015, die sich gegen die verhängnisvolle Asyl- und Eurorettungspolitik der Bundesregierung richtet“.

Kabelka interviewte an diesem Tag im Clownskostüm Teilnehmer der Demonstration. Er sagte, das wäre ein Karnevalsumzug, er bekam wütende Antworten, Demonstranten  bezeichneten ihn als Lügenclown. Die Stimmung war aufgeheizt und aggressiv. In dieser Situation zog Seifert dem Reporter  die Maske vom Kopf.

Berliner AfD verteidigt Vorgehen von Nicolas Seifert

Seifert verteidigte am Dienstag sein Verhalten. „Das Auftreten des Mannes vom ZDF mit der Clownskappe war eine Unverschämtheit“, sagte er. „Die AfD-Demonstranten hatten ein ernsthaftes Anliegen.“ Kabelka habe dieses auf unakzeptable Weise verunglimpft und die Menschen immer wieder durch Angriffe auf persönlicher Ebene provoziert und beleidigt. „Dies war eine Diffamierung von und Propaganda gegen AfD-Wähler, die als Satire und Berichterstattung getarnt war.“ Der Berliner Landesverband der AfD steht zu Seifert.

Dass jetzt kurz vor der Wahl in  Pankow  wieder über den  Vorfall diskutiert wird, könnte Seifert  jedoch erneut in Schwierigkeiten bringen. Denn schon beim ersten Wahlgang  am 27. September fiel er   durch. Er bekam nur acht Stimmen, vermutlich von seiner Partei, 41 Verordnete stimmten gegen ihn, fünf enthielten sich.  
Der Wirtschaftsingenieur und Projektmamanager hatte seine Kandidatur entgegen aller politischen Gepflogenheiten erst kurz vor der ersten Sitzung des Bezirksparlaments bekannt gegeben. Er hatte sich zudem nicht persönlich in den Fraktionen vorgestellt, weil er noch im Urlaub war.

„Auftreten passt nicht zum Amt“

Seifert sagt, er sei ein  „erfahrener  Projektmanager“, der aufgrund seiner AfD-Mitgliedschaft mit viel „Unverständnis und unangenehmen Situationen“ im Amt rechne. Er habe sich entschieden, als Stadtrat in Pankow zu arbeiten, denn:  „Einer muss es ja machen.“  

Nächsten Montag stellt er sich  der Pankower Grünen-Fraktion vor. Dort will man ihn mit  seinem Verhalten auf der Demo konfrontieren. „So ein aggressives Auftreten passt nicht zum Amt eines Stadtrates“, sagt die  Fraktionsvorsitzende Daniela Billig. Auch der Vorsteher des Bezirksverordnetenversammlung, Michael van der Meer (Linksfraktion), distanziert sich vom Verhalten des AfD-Politikers. „Das geht überhaupt nicht!“, sagte er. Die Pressefreiheit sei ein hohes Gut, ebenso die Freiheit der Kunst. Er erwarte, dass das  Bezirksparlament auf den Vorfall reagiere.