Panne bei der Deutschen Bahn: ICE fährt in Spandau ohne Halt durch

Es ist 11.02 Uhr, als am Sonnabend der ICE mit der Nummer 640 in den Bahnhof Spandau einrollt. Die auf dem Bahnsteig versammelten Menschen ergreifen ihre Taschen und Koffer und machen sich bereit zum Einsteigen. Für diesen Zug haben sie Fahrkarten. Aber er hält einfach nicht. Er fährt durch. Es seien bereits zu viele Fahrgäste im Zug, heißt es später. Deshalb habe man entschieden, den Zug am Bahnhof Spandau durchfahren zu lassen. Egal, wer da noch einsteigen will.

Die verhinderten Fahrgäste sind alles andere als begeistert. Sie schimpfen und sagen, die Bahn AG habe sich da wieder mal was geleistet.

Zusätzliche Kosten, ungewisse Wartezeit

Etwas verunsichert, stehen zwischen ihnen ein 15-jähriges Mädchen und ihr kleiner Bruder. Sie sind auf dem Weg nach Hannover. Sie wollen ihre Großmutter besuchen. Ihre Fahrkarte hat eine Zugbindung: ICE 640, 11.02 Uhr vom Bahnhof Spandau aus. Sie können nur diesen Zug nehmen. Sie wenden sich an die Informationsstelle der Bahn. Dort teilt man ihnen mit, der Zug habe keine weiteren Fahrgäste mehr aufnehmen können.

Ihr Ticket erhält einen Stempel: „Zugbindung aufgehoben“, steht nun da. Sie sollen den nächsten Zug nehmen oder, weil man nicht sicher sein kann, dass dieser in einer Stunde nicht ebenso voll sein wird, zum Hauptbahnhof fahren und es dort versuchen. Für diese Strecke müssen sie allerdings zwei BVG-Tickets lösen. Denn die notwendige Nahverkehrsverbindung ist auf dem ursprünglichen Ticket nicht eingetragen und damit auch nicht abgedeckt. „Echt total bescheuert“, kommentiert das Mädchen.

Keine Kompensation

Wer eine Fahrkarte bei der Deutschen Bahn kauft, entscheidet immer zwischen zwei Optionen. Entweder zahlt er besonders viel Geld und kann dann am angepeilten Tag fahren, wann immer er will. Oder aber, und so war es im vorliegenden Fall, er legt sich auf einen bestimmten Zug fest. Eigentlich, so sagt einem der gesunde Menschenverstand, sollte der Dienstleister sich dann auch verpflichtet fühlen, die vereinbarte und bezahlte Leistung zu erbringen.

Bei der Bahn AG gibt man sich am Sonntag zerknirscht. „Wir bestätigen den Vorfall“, sagt eine Sprecherin, „wir können uns nur bei den Reisenden entschuldigen. Wir klären derzeit, wie es zu dieser Panne kommen konnte.“ Im übrigen, so die Sprecherin, gelten die üblichen Fahrgastrechte. Die Kunden hätten in diesem Fall die Wahl gehabt: entweder eine Erstattung des Fahrpreises oder eine Reise mit einem anderen Zug am gleichen Tag. Eine nachträgliche Teilerstattung des Fahrpreises als Kompensation gibt es nicht.