Berlin - Ja, man sieht sie manchmal rund um die Kastanienallee, am Kollwitzplatz, oder  im nahen Weinbergspark: Kinderwagen schiebende Männer mit grauem, schütterem Haar und Wohlstandsbauch. Die späten Väter aus Prenzlauer Berg. So nennt sie mein Kollege Stefan Strauß und wundert sich, wie lustlos sie mit ihrem Nachwuchs umgehen.

Das Bild passt irgendwie gut ins Klischee eines durchgentrifizierten Stadtteils, in dem nur noch Menschen zu leben scheinen, die erst Karriere machen und danach erst Kinder.

Oftmals eine emotionale Achterbahnfahrt

Mein Eindruck von Vätern aus Prenzlauer Berg und den umliegenden Kiezen ist trotzdem ein anderer. Erst vor wenigen Tagen bin ich selbst aus meiner Elternzeit zurückgekehrt. Sechs Monate Vollzeit-Babybetreuung waren stressig und wunderschön zugleich. Oftmals eine emotionale Achterbahnfahrt. Auf jeden Fall eine unvergessliche Zeit.

Großen Anteil daran hatten meine Besuche im Papaladen Berlin und die anderen Väter, die ich dort getroffen habe. Die coolen Väter aus Prenzlauer Berg könnte man sagen. Dabei kommen sie aus allen Ecken Berlins hierher.

Beim Papa-Café ist der Kaffee schwarz

Jeden Donnerstag um zehn treffen sich in der Marienburger Straße Väter aus Prenzlauer Berg und Umgebung zum Papa-Café. Die Atmosphäre ist locker, die Besucher lustig, der Ablauf immer gleich. Papa kommt rein, wirft seinen Nachwuchs auf die Spielzeug-Matratzen und holt sich nach oftmals schlafarmer Nacht erstmal einen Kaffee. Vielleicht trinken Prenzlberg-Muttis tatsächlich gern Latte Macchiato, beim Papa-Café ist der Kaffee schwarz. Auf die Stullen kommt Käse statt Kichererbsenpaste und Schinken statt Saitan.

Die Väter sind Anfang bis Mitte 30 und haben noch überwiegend volles Haar. Ihre Smartphones bleiben in der Tasche. Warum auch dienstliche E-Mails schreiben? Mann ist hier in Elternzeit und kann sich voller Hingabe auf die Kinder konzentrieren. Die sind meist zwischen sechs Monaten und anderthalb Jahren alt und krabbeln zwischen Autos, Holzspielzeug, Tischkicker und Mini-Rutsche hin und her. Die Papas hinterher.

Da in dem Alter noch nicht so viel getobt wird, bleibt Zeit zum Quatschen. Über Champions-League-Spiele und Kitaplatzsuche, Babybrei und Musikfestivals.  Immer locker, immer entspannt. „Wir waren vorhin impfen. Ich hab‘ dem Arzt gesagt: Ich brauche das Kind scheckheftgepflegt zurück“, so in etwa.

Über gewöhnliche Mutti-Krabbelgruppen wird gern geschmunzelt. Ein Mann erzählt von balinesischen Kinderliedern, die auf einmal angestimmt wurden. Die Krabbelgruppe hat er nie wieder besucht. Dafür immer wieder den Papaladen.  Schön, dass es ihn gibt.