Ein Wäldchen aus Birken, dazwischen Fliederbüsche und wilde Rosen sowie schüttere Robinien. Man kann den neuen Park, der den Namen Flaschenhals trägt, schlicht oder gar karg finden. Er hat keine üppigen grünen Liegewiesen und keine großen Spielplätze, wie es sie nebenan im Park am Gleisdreieck gibt. Aber das Schlichte ist Programm im neuen Park südlich der Yorckstraße. Am Freitag wurde er offiziell eröffnet. Flaschenhals heißt er wegen seiner Form, die einer auf den Kopf gestellten Flasche ähnelt.

Das gut fünf Hektar große Gelände ist der dritte Teil des Parks am Gleisdreieck, der sich jetzt von Kreuzberg und Schöneberg bis nach Tempelhof erstreckt. Entstanden ist er auf ehemaligem Bahngelände. Fast 150 Jahre lang, bis 1952, war das insgesamt 35 Hektar große Areal zwischen Landwehrkanal und Monumentenbrücke Bahnfläche. Pläne des West-Berliner Senats, auf der alten Bahnfläche eine Autobahn zu bauen, scheiterten am Widerstand der Anwohner. Mehr als 20 Jahre stritten sie für den Park. Wo einst der Anhalter Güterbahnhof war, wurde im Herbst 2011 der rund 17 Hektar große Ostpark eröffnet. Mitte vorigen Jahres kam dort, wo früher der Potsdamer Güterbahnhof war, der neun Hektar große Westpark hinzu.

Jetzt gibt es als dritten Parkteil den Flaschenhalspark. „Dort haben wir die ursprüngliche Vegetation kaum angetastet, sondern nur Wege angelegt“, sagt der Landschaftsarchitekt Leonard Gosch vom Büros Loidl, das den Gleisdreieck-Park seit Jahren gestaltet. Im Flaschenhals-Park wurden Bänke und einige große Schaukeln aufgestellt, ansonsten lebt das Gelände weitgehend von den sichtbaren Relikten der Bahnhistorie – neben der wildwachsenden Vegetation sind das Gebäudereste sowie Gleise, die teilweise mit Rindenmulch gefüllt wurden. Ein überraschend fußfreundlicher Weg für Naturliebhaber ist so entstanden. Für Radfahrer wurde ein breiterer Weg asphaltiert, denn durch den Gleisdreieck-Park führt der Fernradweg Kopenhagen–Berlin–Leipzig.

Privatinvestor beteiligt sich

Ein Wermutstropfen bei aller Freude über das neue, naturbelassene Grün mitten in der Stadt bleibt: Eine direkte Verbindung zwischen dem Park in Kreuzberg und dem Flaschenhals in Tempelhof gibt es (noch) nicht. Wer von einem Parkteil in den anderen will, muss die vielbefahrene Yorckstraße überqueren. „Das geht aber nur unter Einsatz des Lebens“, sagt Sibyll Klotz, die grüne Stadträtin für Stadtentwicklung in Tempelhof-Schöneberg. Geplant ist, dass eine der maroden Brücken über der Yorckstraße irgendwann einmal Teil des Fernradwegs und damit die Direkt-Verbindung zwischen den Parkteilen sein soll. Doch wann die seit Jahren geplante Brückensanierung erfolgt, ist ungewiss. Geld dafür sei beim Bund beantragt worden, teilte Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) mit. Aber an der für Fußgänger und Radler gefährlichen Situation werde sich frühestens in zwei Jahren etwas ändern.

Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg will solange nicht warten: „Wir brauchen dort als schnelle Lösung eine Ampel“, sagt Stadträtin Klotz. Doch wer die schwerfälligen Verwaltungswege in Berlin kennt, kann sich ausmalen, dass die Brückensanierung möglicherweise schneller erfolgen wird als die Verkehrslenkungsbehörde eine Ampel genehmigt.

Inzwischen wird an weiteren Grünzügen geplant. Sie sollen einmal bis zum Südkreuz führen. Ende April sollen zudem die Bauarbeiten für den Monumentenplatz am südlichen Ende des Flaschenhalsparks beginnen – ein Kinderspielplatz und eine Sonnenbank sind geplant. Der Platz entsteht an einer Rampe nebst Treppe, über die man vom Süden aus prima in den neuen Park kommt. Errichtet wurde der bequeme Zugang von einem Privatinvestor, der dort Wohnungen baut.