Die Einführung von zwei neuen Parkzonen in Prenzlauer Berg beginnt für den Bezirk Pankow mit einem Desaster. Zwar gehen die Parkzonen rings um Arnimplatz und Humannplatz sowie im Bötzowviertel wie geplant offiziell am 1. April (Ostermontag) in Betrieb. Wie der Stadtrat für Bürgerdienste, Torsten Kühne (CDU), einräumt, konnten aber von den 343 vorgesehenen Parkscheinautomaten seit Anfang März gerade einmal 60 Automaten im Bötzowkiez aufgestellt werden. Nur dort kann also überhaupt eine reguläre Bewirtschaftung beginnen. Die anderen Viertel sind vorerst nur eine Art Parkzone light – ohne den Zwang für Autofahrer, für das Parken auch zahlen zu müssen. Von einer richtigen Parkraumbewirtschaftung kann dort keine Rede sein.

Zu kalt, um Beton zu gießen

Die Verzögerung begründet der Stadtrat mit der eisigen Wetterlage in den vergangenen Wochen. „Die Rekordtemperaturen haben bei Meteorologen zu Begeisterung geführt, bei mir weniger“, sagt er. Die Betonfundamente für die Parkscheinautomaten hätten wegen des Bodenfrostes nicht gegossen und die Geräte nicht installiert werden können. Dass der Bezirk bei der Einrichtung der Parkzonen erneut einen Fehlstart hinlegt, weist der Stadtrat allerdings zurück. Er spricht vielmehr von einem „weichen Start“.

Intern gibt es allerdings Kritik. „Das wetterbedingte Chaos war absehbar“, heißt es im Bezirk. Der April sei ein schlechter Einführungstermin. Besser hätte die Parkraumbewirtschaftung schon im Dezember 2012 starten sollen, der Termin wäre zu schaffen gewesen – trotz Haushaltssperre bis Mitte des vergangenen Jahres und der damit verbundenen späteren Ausschreibungen für die Arbeiten. Zudem kenne der Bezirk die Probleme und habe schon einmal Erfahrungen mit fehlender Technik gemacht: Im Oktober 2010, als die ersten Parkzonen im südlichen Teil von Prenzlauer Berg in Betrieb genommen wurden, gab es eine ähnliche Panne. Statt der geplanten 450 Parkscheinautomaten standen damals auf den Gehwegen erst 270 Automaten. Autofahrer mussten deshalb weite Wege in Kauf nehmen, um überhaupt einen Parkschein ziehen zu können.

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Wie Stadtrat Kühne sagt, sollen die fehlenden Automaten im April aufgestellt werden. Nach Ostern wird zunächst das Bötzowviertel vervollständigt, dort müssen noch gut ein Dutzend Geräte aufgestellt werden. Voraussichtlich in der zweiten Aprilwoche ist dann der Arnimkiez dran, anschließend das Gebiet rund um den Humannplatz. Dort wurden die Schilder für die Parkzone 45 an den Hauptverkehrsstraßen wie Prenzlauer- und Schönhauser Allee, Bornholmer-, Wisbyer- und Stahlheimer Straße in dieser Woche aufgestellt. Erst in der zweiten Monatshälfte werden die Automaten an der Grünen Stadt sowie im Barnimkiez installiert. Der Barnimkiez zwischen Moll- und Friedenstraße gehört zwar zum Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, doch der Bezirk Pankow übernimmt dort die Bewirtschaftung. Nach Angaben des Stadtrats könnte die Baufirma pro Woche etwa 100 Fundamente für die Automaten gießen. Kühne geht deshalb davon aus, dass spätestens in der dritten Aprilwoche alle Parkzonen in Betrieb seien.

Pankow erweitert die Parkzonen, weil viele Nordberliner und Brandenburger, die zur Arbeit in die Innenstadt wollen, ihre Autos in den Wohngebieten abstellen, wo sie nichts für das Parken zahlen müssen. Nach Einführung der ersten Parkzonen im Jahr 2010 in Prenzlauer Berg wurde die Situation vor allem im Bötzowviertel dramatisch: Dort stieg die Zahl der parkenden Autos um 76 Prozent. Erfahrungen aus den bestehenden Pankower Parkzonen zeigen, dass nach der Einführung der Parkraumbewirtschaftung mit einem Rückgang der parkenden Fahrzeuge um 20 Prozent zu rechnen ist. Und Anwohner wieder einen Parkplatz finden.

63 neue Kontrolleure eingestellt

In den neuen Parkzonen 44 und 45, die wie die anderen drei Gebiete in Prenzlauer Berg jeweils montags bis samstags von 9 bis 24 Uhr bewirtschaftet werden, müssen Autofahrer für das Parken künftig einen Euro pro Stunde zahlen. Für die Kontrollen hat das Ordnungsamt 63 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Laut Kühne werden die Ordnungskräfte in den ersten zwei, drei Tagen in den funktionierenden Zonen nur Info-Knöllchen hinter die Scheibenwischer stecken mit dem Hinweis, dass für das Parken eine Anwohnervignette erforderlich ist oder ein Parkschein gezogen werden muss. Erst danach wird für Verstöße auch kassiert.

Trotz fehlender Automaten in den nördlichen Zonen warnt Kühne die Autofahrer aber: „Auch diese Gebiete überwachen wir ab 2. April.“ Geahndet werden könnten andere Verstöße wie Parken im Halteverbot, vor Einfahrten oder in zweiter Reihe. Wie hoch möglicherweise die Verluste sind, die dem finanziell angeschlagenen Bezirk durch die nun fehlenden Parkgebühren entstehen, konnte Kühne nicht sagen. Aber: „Wir haben einen geringen finanziellen Puffer.“