Berlin - Am Thema Grillen wird der Konflikt jetzt schon deutlich: Auf der in Prenzlauer Berg gelegenen Seite des Mauerparks ist das Brutzeln auf der Wiese erlaubt, Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) würde sogar große Grill-Pavillons aufstellen, so wie er es gerade in Dänemark gesehen hat. Grillen kann man nicht verbieten, sagt er. Ein absoluter Grill-Gegner ist dagegen Kirchners Kollege Carsten Spallek (CDU), Baustadtrat in Mitte. Beide sind für den Mauerpark zuständig, Spallek auf Weddinger Seite, Kirchner für den Teil in Prenzlauer Berg.

2015 wird der Mauerpark auf Weddinger Seite um 5 Hektar erweitert und dann 13 Hektar groß sein. Die ersten zwei Hektar wurden am Mittwoch übergeben. Zwei Bezirke, zwei Verwaltungen, zwei Stadträte, verschiedene Auffassungen zu Pflege und Wartung des riesigen Geländes, etwa zu der Frage, ob Grillen nun erlaubt oder verboten sein soll. Das geht nicht gut.

Deshalb treffen sich Kirchner und Spallek am 19. August mit führenden Vertretern der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und der Grün Berlin GmbH. Nach Informationen der Berliner Zeitung wollen sie intern darüber beraten, ob es nicht sinnvoll wäre, den ganzen Mauerpark der landeseigenen Grün Berlin GmbH zu übertragen. „Wir haben dieses Angebot gemacht“, sagt Christoph Schmidt, Geschäftsführer von Grün Berlin. Es sei eine „merkwürdige Zweiteilung“, sollte die derzeitige Zuständigkeit erhalten bleiben. „Das wäre schwer zu organisieren.“ Spötter sagen bereits: Am neuen Übergang von Wedding nach Prenzlauer Berg könnte man ein Schild aufstellen: Hier beginnt die Partyzone. Eine andere Option wäre es, den gesamten Mauerpark künftig dem Bezirk Pankow zuzuschreiben. Dazu gibt es schon einen Antrag der Pankower SPD.

Die teuerste Parkanlage Pankows

Auf der Weddinger Seite hat die Grün Berlin jetzt schon die Pflege übernommen. Die Gesellschaft sammelt Müll ein und sorgt für Ordnung. Park-Guides laufen Streife, sie können Erste Hilfe leisten und achten auf den Brandschutz. Dass Grün Berlin auch die Verantwortung für den ganzen Park übernimmt, ist für Spallek naheliegend. „Für Besucher ist es nicht nachvollziehbar, wenn in einem Parkteil andere Regeln gelten als in dem anderen.“ Themen seien eine Parkordnung, das Grillen sowie der Umgang mit Glasflaschen.

Sollte Grün Berlin künftig die Pflege des gesamten Mauerparks übernehmen, wäre das vor allem für den Bezirk Pankow eine finanzielle Entlastung. Etwa 50.000 Berliner und Touristen besuchen an einem Wochenende bei gutem Wetter den Mauerpark mit Floh- und Kunstmarkt, Grillwiese sowie Freiluftkaraoke am Sonntagnachmittag. Ist der Trubel vorbei, türmt sich Müll auf der Wiese und am Hang. Für die Reinigung ist Pankow zuständig, der Mauerpark ist laut Kirchner die teuerste Parkanlage des Bezirks. Stehen ihm für Reinigung und Pflege aller Grünanlagen und Spielplätze pro Jahr 336.000 Euro zur Verfügung, so kostet allein die Reinigung des Mauerparks 100.000 Euro pro Jahr, also etwa ein Drittel, obwohl das Areal nur etwa ein Prozent der Grünflächen in Pankow ausmacht.

Grün-Berlin-Chef Schmidt sagt, sein Unternehmen werde nicht mehr Geld für die Pflege vom Land erhalten als die beiden Bezirke. Man habe jedoch geringere Verwaltungskosten als sie. „Hundert Prozent des Geldes gehen in den Mauerpark“, so Schmidt. Parkmanager sollen ständig im Einsatz sein, ebenso Park-Guides. Der Befürchtung mancher Bewohner, der Mauerpark könne eingezäunt und nachts geschlossen werden wie das Tempelhofer Feld, widerspricht Schmidt: „Wir brauchen keinen Zaun.“ Und Spallek sagt: „Die Zäune haben wir doch gerade erst eingerissen.“