Parks über Stadtautobahn in Berlin: Studie zur „Deckelung“ der A100 beschlossen

Berlin - Parks und Fahrradwege statt Autobahnen in der Stadt – der Ausschuss für Stadtentwicklung des Abgeordnetenhauses hat am in dieser Woche einen Antrag beschlossen, der bei positivem Ausgang das Stadtbild in einigen Teilen Berlins komplett verändern könnte. Der Senat soll in einer Machbarkeitsstudie herausfinden, welche Autobahn- und Straßenabschnitte in Berlin sich für eine sogenannte Überdeckelung eignen.

Geprüft werden soll die Stadtautobahn A100 in Charlottenburg, der 16. Bauabschnitt der A100 zwischen dem Dreieck Neukölln und der Anschlussstelle Treptower Park sowie die Schienen der Ringbahn zwischen Schönhauser und Prenzlauer Allee.

Untersucht werden soll, inwiefern ein Deckel den Emissionsschutz für Anwohner erhöht, neue Flächen für Parks, Grünflächen und Wohnungen schafft und durch die Autobahn zerschnittene Stadtquartiere wieder verbunden werden.

Deckelung der A100 würde gewaltige Kosten verursachen

Das ist ein Megaprojekt, vor allem in punkto Kosten. Hamburg baut gerade an einem ähnlichen Deckel entlang der A7. Insgesamt sollen dort etwa vier Kilometer Autobahn gedeckelt werden, darauf sollen Kleingärten und Radwege entstehen. Kostenpreis: 837 Millionen Euro, von denen das Land 147 Millionen übernimmt.

Für die Berliner Linke Katalin Gennburg soll die Studie trotzdem erst der Anfang sein. „Berlin muss die blinde Sparpolitik beenden und dringend in soziale Infrastruktur investieren“, sagte sie der Berliner Zeitung. Der Antrag ziele in erster Linie darauf ab, die Anwohner vor Lärm, Stickoxiden und Feinstaub zu schützen. Wohnungen sollen nicht direkt auf dem Deckel gebaut werden können, dafür aber Parks und Wege. „Wir müssen perspektivisch dahin kommen, noch viel mehr in der Stadt zu deckeln“, sagte Katalin Gennburg.

Verkehrsverwaltung sieht das Projekt skeptisch

Etwas zurückhaltender klingt der grüne Verkehrsexperte Harald Moritz: Der Vorschlag berge zwar Potenzial, auch neue Baugrundstücke würden gewonnen, weil näher an den Deckel herangebaut werden könnte. Doch Moritz nennt das Vorhaben „sehr komplex“. Sorgen bereiten ihm nicht zuletzt die Kosten: In Hamburg habe sich der Bund stark an den Kosten beteiligt, weil die Autobahn verbreitert werden musste. „Im Vergleich dazu wären die Kosten für das Land Berlin ungleich höher.“

Ähnlich skeptisch sieht das Projekt die Verkehrsverwaltung, die die Studie durchführen soll: Ein „guter, spannender Ansatz“, teilt sie der Berliner Zeitung mit. Doch allein die Erstellung einer Machbarkeitsstudie für einen der Teilbereiche würde voraussichtlich zwei Jahre in Anspruch nehmen. Für eine Umsetzung müsse neues Personal eingestellt werden, der Verkehr auf der A100 zumindest teils gesperrt werden. „Eine Umsetzung muss in jedem Fall erhebliche Schwierigkeiten überwinden und wird mit hohen Kosten verbunden sein“, sagte Sprecher Jan Thomsen.