Kurz vor dem neuen Plenarsaal erinnern ein paar Stühle aus dem alten Bonner Saal an jene Zeit, als die große Politik noch am Rhein gemacht wurde. Ein paar Meter weiter steht ein etwa sechs Meter langer und zwei Meter hoher gemauerter Tunnel in der neuen Röhre. Es ist der ehemalige Heizungstunnel zwischen dem Reichstagspräsidentenpalais und dem Reichstagsgebäude.

Nach dem Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933 war spekuliert worden, dass Nazis durch den Tunnel in den Reichstag gelangt seien, um diesen anzuzünden. Ob dies so war, ist aber bis heute ungeklärt. Als Täter verurteilt und hingerichtet wurde kein Nazi, sondern der Holländer Marinus van der Lubbe. Der Erhalt des Heizungstunnels geht auf Reichstagsarchitekt Lord Norman Foster zurück, nach dessen Plänen das Gebäude umgebaut wurde.

Für Bundestagsabgeordnete, die nach dem langen Weg durch den neuen Tunnel schmutzige Schuhe bekommen haben, ist gesorgt. Im Untergeschoss des Reichstags steht eine Schuhputzmaschine für den perfekten Auftritt im Plenarsaal. Direkt daneben: zwei Geldautomaten.

Wer vom benachbarten Paul-Löbe-Haus unterirdisch zum Reichstag will, hat einen kurzen Weg. Er führt vorbei an einer hell beleuchteten Ausstellung über die Deutsche Geschichte. Vom Marie-Elisabeth-Lüders-Haus zum Fußgängertunnel im Jakob-Kaiser-Haus ist es weniger komfortabel. Hier müssen Abgeordnete und ihre Mitarbeiter neben der unterirdischen Straße für Lieferfahrzeuge und Personenfahrzeuge entlang laufen. Zum Beispiel, wenn sie Briefmarken bei der Post im Lüders-Haus abholen wollen. Damit sich niemand verläuft, markiert ein gelber Strich den Weg im Tunnel.

Das Lüders-Haus wird derzeit durch einen Anbau erweitert. Der Erweiterungsbau, der eigentlich 2014 fertig werden sollte, wird unter anderem wegen Problemen mit dem Untergrund nun erst im Jahr 2015 abgeschlossen, wie das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung mitteilte.

Wenn es nach der Bau- und Raumkommission des Bundestags geht, wird in einigen Jahren noch ein weiterer Tunnel im Parlamentsviertel gegraben: eine Röhre von einem noch zu bauenden unterirdischen Besucher- und Informationszentrum auf dem Platz der Republik bis zum Reichstag. Die Grundsatzentscheidung für das unterirdische Besucherzentrum sei gefallen, sagte Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse am Montag. Die genauen Pläne sollen nun in einer Art Machbarkeitsstudie erarbeitet werden.

Entscheidung im Jahr 2013

Notwendig wird der Bau des Zentrums, um die Baracken abzuschaffen, in denen die Besucher des Bundestags seit den Terrorwarnungen vor einem Jahr kontrolliert werden. Der Bau eines oberirdischen Besucherzentrums auf dem Platz der Republik war abgelehnt worden, weil damit der Blick auf den Reichstag verstellt würde. Thierse sagte, er hoffe, dass 2013 die Entscheidung über den Bau des Besucherzentrums getroffen werde. In der nächsten Legislaturperiode könne der Bau dann beginnen.

Am Rande des Parlamentsviertels beginnen noch in diesem Jahr zwei weitere Projekte. An der Straße Alt-Moabit startet derzeit der Bau des neuen Innenministeriums. Und im April soll der Grundstein für den Neubau des Ministeriums für Bildung und Forschung am Kapelle-Ufer gelegt werden. Immerhin ohne Tunnel zum Reichstag.