Foto aus vergangenen Zeiten: So eng wird es bei legalen Open Airs in Zukunft nicht werden dürfen - Abstands- und Hygienekonzept sind von den Veranstaltern gefordert.  
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BerlinWährend in den Berliner Parks schon seit Wochen wieder gefeiert und getanzt wird, müssen die 140 Clubs weiter auf unbestimmte Zeit geschlossen bleiben. Um Alternativen für sie zu schaffen, forderte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) die zwölf Bezirke in dieser Woche auf, Frei- und Grünflächen, Straßen und Sportanlagen für Open-Air-Veranstaltungen zu finden und zu öffnen. Kritiker sagen: Viel zu spät. verzweifelte Clubbetreiber sagen: Wenigstens tut sich irgendwas.

Die Berliner Zeitung hat alle zwölf Bezirke nach infrage kommenden Flächen gefragt. Das Ergebnis: Einige Bezirke wie Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf, Pankow, aber auch Mitte arbeiten intensiv daran, Flächen zur Verfügung zu stellen. Sie haben erste, teils kreative Vorschläge. Andere Bezirke – darunter jene mit der größten Dichte an Clubs, wie Friedrichshain-Kreuzberg – lehnen es rundherum ab, weitere Open-Air-Flächen zu schaffen.

Wenn es nach Vollrad Kuhn (Grüne), Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung in Pankow, geht, sollen in Zukunft auf der Wiese vor dem Zeiss-Planetarium an der Prenzlauer Allee Partys stattfinden. Ob das aber noch in diesem Sommer möglich ist, sei nicht „seriös“ zu beantworten.

Das Zeiss-Planetarium an der Prenzlauer Allee ist einer der letzten Repräsentationsbauten der DDR. Pankows Bezirksstadtrat Kuhn empfiehlt die Wiese davor als Open-Air-Fläche. 

Foto: Berliner Zeitung/Markus Wächter

Marzahn-Hellersdorf prüft als neue Open-Air-Location den Skaterpark am Kienberg. Juliane Witt (Linke), Bezirksstadträtin für Kultur, verweist aber auch auf die vielen anderen Freiluftmöglichkeiten in dem grünen Bezirk: Die Außenflächen am ORWO Haus, einem großen, selbst verwalteten Proberaum-Projekt, seien bespielbar ebenso wie die Arena in den Gärten der Welt. Sie bietet im Halbrund ohne Abstände Sitzplätze für 5.000 Zuschauer.

Michael Grunst (Linke), Bezirksbürgermeister von Lichtenberg, hat selbst jahrelang Rockkonzerte in der Parkaue veranstaltet. Er weiß, wie mühsam es für Veranstalter ist, die Genehmigungen einzuholen – und für die Ämter, mit den Anwohnern zu kommunizieren. Dennoch sagt Grunst: Das sei machbar, auch kurzfristig. „So kompliziert ist das nicht.“ Zurzeit prüfe Lichtenberg die Parkaue und den Nöldnerplatz als mögliche Flächen, wo schon jetzt Theater und Konzerte stattfinden. „Mich ärgern nur die Innenstadtbezirke, die sagen: Das ist nur was für die Außenbezirke“, sagte Grunst der Berliner Zeitung.

Mitte ist bisher der einzige viel belastete Innenstadtbezirk, der sich willig, kreativ und vorbereitet zeigt. Das Bezirksamt schlägt mehrere Flächen für Freiluftveranstaltungen vor: das Erika-Heß-Eisstadion, das Kino im Volkspark Rehberge und die Vorplätze der Rathäuser in Mitte, Tiergarten und Wedding. Eine wichtige Bedingung: „Die Veranstaltungen dürfen nur bis maximal 22 Uhr gehen.“ Die Bereitstellung von öffentlichen Grünflächen für Freiluftveranstaltungen lehne man ab.

Steht zurzeit Corona-bedingt leer, ist aber auf Open Airs ausgelegt: Die Arena in den Gärten der Welt in Marzahn-Hellersdorf.  
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Das tun auch die Grünen in anderen Bezirken – sie machen sich allerdings nicht einmal die Mühe, nach anderen Brachflächen zu suchen. Friedrichshain-Kreuzberg, ausgerechnet der Bezirk mit der höchsten Club-Dichte, teilt mit: Man habe bislang keine Flächen geprüft. „Wir sehen den Vorschlag für Friedrichshain-Kreuzberg kritisch, da wir der am dichtesten besiedelte Bezirk sind“, teilte Sprecherin Sara Lühmann der Berliner Zeitung mit.

Noch deutlicher wird Maren Schellenberg (Grüne), Bezirksstadträtin in Steglitz-Zehlendorf: Man prüfe keine Flächen, schreibt Schellenberg, „da derartige Angebote nicht Teil unseres Angebots zur Versorgung der Bevölkerung mit öffentlichem Grün sind“.

Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hat für diese Aussage „kaum Verständnis“, sagte er der Berliner Zeitung am Freitag. Ihm sei klar, dass die Suche Aufwand bedeute. „Etwas geht jedoch immer – mit entsprechend gutem Willen.“ Er appelliere an Bezirke und öffentliche Unternehmen, ein alternatives Kulturangebot möglich zu machen – „im Interesse der ganzen Stadt“.

Dem Clubexperten der CDU, Christian Goiny, sind Appelle nicht genug. Der Sommer sei schon halb vorbei. Es bringe nichts, sich mit zwölf Bezirken herumzuschlagen. „Es braucht eine berlinweite Lösung.“ Sein Vorschlag: eine Verordnung, die den Bezirken die Kompetenzen entzieht und Open-Air-Veranstaltungen unter bestimmten Voraussetzung – wie einer Lautstärke-Begrenzung – erlaubt. „Man konnte berlinweit alle Clubs und Kneipen schließen, warum kann man jetzt nicht berlinweit Orte zum Feiern erlauben?“