Noch endet die Straßenbahnlinie M10 am S- und U-Bahnhof Warschauer Straße in Friedrichshain. Doch in Zukunft soll die Party-Tram, wie sie wegen ihrer vielen Nachtschwärmer-Fahrgäste auch genannt wird, zum Hermannplatz in Neukölln weiterfahren. Nun kommt das Verkehrsprojekt ins Rollen. Die Senatsverkehrsverwaltung hat den ersten Planungsschritt ausgeschrieben. Gesucht wird ein Unternehmen, das die „Grundlagenermittlung“ für die geplante Netzverlängerung vornimmt.

Die M10 ist bereits eine Erfolgsstrecke. 24 Stunden am Tag, rund um die Uhr, sind die gelben Flexity-Straßenbahnen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) zwischen dem Hauptbahnhof und der Warschauer Straße unterwegs. Die Fahrt führt durch dicht besiedelte Innenstadtgebiete, viele andere Nahverkehrsstrecken kreuzen die Linie – das garantiert viele Fahrgäste. Allein von 2013 bis 2016 ist die Zahl der Nutzer um 45 Prozent gestiegen. Damit verzeichnete die M10, die tagsüber im Fünf-Minuten-Takt befahren wird, den größten Zuwachs von allen Straßenbahnlinien in Berlin.

Als Erstes soll die Strecke im Westen verlängert werden. Wie berichtet hat das Planfeststellungsverfahren für die rund zwei Kilometer lange Fortführung zum U-Bahnhof Turmstraße begonnen. Es begann mit der Auslegung der Planunterlagen, die bis zum 5. Januar 2018 dauerte. Geht alles glatt, wird die M10 von Ende 2020 an über den jetzigen Endpunkt am Hauptbahnhof bis Moabit fahren – womit das größte Straßenbahnnetz Deutschlands endlich auch wieder im Westen Berlins wächst, wo 1967 bis 1995 überhaupt keine Tram im Linienbetrieb unterwegs war.

Kreuzberg ist das nächste Projekt

Nun geht es darum, die M10 am anderen, südlichen Ende zu verlängern – ebenfalls in den Westen Berlins hinein. In der Ausschreibung erklärt der Senat, worum es geht: Um den Nahverkehr noch attraktiver zu machen und dessen Anteil am Gesamtverkehrsaufkommen zu erhöhen, soll die Straßenbahn Teile des östlichen Kreuzbergs (auch als SO 36 bekannt) und des nördlichen Neuköllns, die heute noch nicht direkt an den Schienenverkehr angebunden sind, besser erschließen. Zudem sollen von dort neue Direktverbindungen nach Friedrichshain und Prenzlauer Berg geschaffen werden.

Aber wo soll die Straßenbahnstrecke verlaufen? Ziel der Grundlagenermittlung ist es, eine Vorzugsvariante zu ermitteln und zu bewerten, heißt es in der Ausschreibung. Dabei wird es vor allem um die Frage gehen, ob die beiden Gleise durch den Görlitzer Park in Kreuzberg führen – oder darum herum. Thema ist auch die geplante Endhaltestelle auf dem Hermannplatz in Neukölln, der umgestaltet werden soll. Stets soll es auch darum gehen, wie die Strecke in das Stadtbild eingepasst werden könnte. Das Planungsunternehmen, das die Ausschreibung beginnt, muss die Vorzugstrasse zudem anschließend einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung unterziehen. Geplant ist auch eine Bürgerinformationsveranstaltung, nach Bedarf auch eine Bürgerwerkstatt.

Streckenbau soll noch bis 2021 beginnen

Bis zum 20. Februar können Angebote für die Grundlagenermittlung eingereicht werden. Die Voruntersuchungen werden ein bis anderthalb Jahre in Anspruch nehmen, hatte Staatssekretär Jens-Holger Kirchner im August 2017 auf eine Anfrage der Linken hin mitgeteilt. „Für die Planung einer Infrastrukturmaßnahme bis zur Umsetzungsreife ergibt sich ein theoretischer durchschnittlicher Zeitbedarf von 5 bis 6,5 Jahren (ohne Klagen)“, so der Grünen-Politiker. Ziel des Senats ist es, dass der Streckenbau in Kreuzberg und Neukölln noch in dieser Legislaturperiode beginnt – also spätestens 2021. 

Noch ungewiss ist, wie Anwohner auf einen Streckenbau im Görlitzer Park reagieren. In der Vergangenheit gab es Proteste, wenn im Park Verkehrsanlagen wie beleuchtete Wege entstehen sollten. Diskutiert werden aber auch Pro-Argumente. So könnte eine Durchfahrung des Parks die soziale Kontrolle verstärken und Kriminalität vorbeugen. „Dank der Dealer im Park wird der Widerstand gegen die Durchquerung nicht mehr so groß sein...“, heißt es im Berliner Nahverkehrsforum.