Berlin - Die Silvesternacht hat es erneut bewiesen: Die Straße des 17. Juni ist die größte Open-Air-Partymeile in Deutschland. Hunderttausende feierten friedlich den Jahreswechsel, Hunderttausende werden auch im Sommer auf der Fanmeile zur Fußball-Weltmeisterschaft der Löw-Truppe die Daumen drücken und hoffentlich viele Tore und Siege der deutschen Fußballer in Brasilien bejubeln.

Ob bis zum WM-Start am 12. Juni einige Bereiche der Fanmeile wie geplant ausgebaut werden können, ist allerdings fraglich. Wie Carsten Spallek (CDU), Baustadtrat in Mitte, am Freitag sagte, habe man die Planungen überarbeitet und die acht Leitz-Ordner Mitte Dezember erneut beim Senat eingereicht.

Demnach werden sich die Kosten für den Ausbau der zwei Kilometer langen Strecke zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule um 20 Prozent erhöhen. Statt 40 Millionen Euro veranschlagt der Bezirk jetzt 48 Millionen Euro, 90 Prozent davon sollen aus Bundesmitteln gefördert werden. Ein erster Abschnitt war vor einigen Jahren ausgebaut worden.

Notstrom und Kameras

Auf der Partymeile sollen Wasser- und Stromleitungen verlegt, Rettungswege verbreitert sowie Notstromaggregate und Kameras installiert werden. Zudem soll der östliche Teil des Großen Tiergartens mit einem 4,2 Kilometer langen und 2,40 Meter hohen Sicherheitszaun abgeriegelt werden, um Zugangskontrollen zu ermöglichen. Mit den Sicherheitsmaßnahmen reagieren die Behörden auf den Terror-Anschlag auf den Boston-Marathon 2013 und die Love-Parade-Katastrophe 2010 in Duisburg mit 21 Toten.

Die Kostensteigerung begründet Spallek damit, dass der Bundesrat im Sommer 2013 eine neue Honorarordnung für Planungsleistungen verabschiedet hat. Möglicherweise hätte die Kostenexplosion vermieden werden können. Der Bezirk hatte sein Konzept vor einem Jahr beim Senat eingereicht.

Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) aber blockierte den Ausbau, weil er den Zaun ablehnt. Und sorgte dafür, dass die Unterlagen neun Monate ungeprüft blieben. Durch den Verzug sind laut Spallek die Baupreise gestiegen. Neu im Konzept sind fünf Toilettenanlagen, die installiert werden sollen, weil nahe dem Brandenburger Tor täglich Dutzende Reisebusse parken.

Sicherheitszaun bleibt Streitthema

Der 3,5 Millionen Euro teure Sicherheitszaun bleibt Streitthema Nummer 1 zwischen Senat und Bezirk. Polizei und Feuerwehr haben sich für einen stabilen, im Boden verankerten Zaun ausgesprochen, weil der bisher eingesetzte Bauzaun nicht den Sicherheitsanforderungen entspricht.

Immer wieder war es Besuchern gelungen, den Zaun zu durchbrechen, Polizei und Security konnten meist verhindern, dass die Störer auf das Festgelände gelangten. Es gab Verletzte. Auch während der Silvesterparty versuchten Besucher, die Umzäunung zu überklettern. Innenstaatssekretär Bernd Krömer betont, dass die Einfriedung einer Großveranstaltung eine Standardmaßnahme sei. Ein Zaun werde „unverzichtbarer Bestandteil der Sicherheitsmaßnahmen sein“.

Laut Stadtentwicklungsbehörde sind die Unterlagen des Bezirks jetzt prüffähig, wie Sprecherin Daniela Augenstein am Freitag sagte. Weil die Straße schon jetzt an etwa 120 Tagen im Jahr für den Verkehr gesperrt sei, versuche man, dort keine neuen Veranstaltungen zu etablieren: „Im Laufe dieser Legislaturperiode wollen wir sensibler und restriktiver mit der Nutzung auf der Straße des 17. Juni umgehen.“

Sollte der Zaun nicht bewilligt werden, sieht Spallek die Gefahr, dass einige Veranstaltungen wie der Berlin-Marathon nicht mehr stattfinden. Denn die Veranstalter könnten die hohen Kosten von 1,6 Millionen Euro für ein mobiles Zaunsystem, das internationalen Anforderungen genügt, nicht aufbringen. „Wir können nicht aus finanziellen Gründen Abstriche bei der Sicherheit machen“, so Spallek. Er weist darauf hin, dass das Land selbst Veranstalter sein wird – für das Champions-League-Finale 2015: ohne Zaun keine Fanmeile.