Nachts wird ständig geklingelt, dann stehen oft angetrunkene Touristen vor der Tür, die ihre Wohnung nicht mehr finden. Heike F. nervt das zunehmend. Seit zwölf Jahren wohnt sie an der Torstraße in Prenzlauer Berg und hat miterlebt, wie immer mehr Miet- in Ferienwohnungen umgewandelt wurden. „Ständig wechseln die Leute im Haus. In einer Zwei-Zimmer-Wohnung sind bis zu acht Gäste für zwei oder drei Tage untergebracht“, sagt sie. Heike F. stört der Krach der Rollkoffer, sie ist wütend wegen der Partys – wie sie empfinden Tausende Berliner.

Nach einer neuen Studie des Bezirks Mitte bieten Internet-Portale wie Wimdu und Airbnb in Berlin 23.103 Ferienwohnungen an. Das haben Recherchen des Unternehmens Neofonie im Auftrag des Bezirks ergeben. Ausgewertet wurden Angebote von 15 Portalen. Die meisten Ferienwohnungen gibt es in Mitte. Dort wurden 4866 Ferienwohnungen entdeckt. Die Betreiber haben aber nur 1557 registrieren lassen, nachdem das Verbot von Ferienwohnungen am 1.?Mai 2014 in Kraft trat.

Recherche im Netz ist zulässig

Insgesamt gibt es nach der Erhebung 17.500 nicht registrierte Ferienwohnungen. „Wie viele davon wirklich illegal sind, können wir noch nicht genau ermessen“, sagt Stephan von Dassel (Grüne), Stadtrat in Mitte. Er geht aber von einem Großteil aus. Die Datenerhebung sei noch nicht abgeschlossen. Dass Wohnungen bei verschiedenen Portalen mehrfach gezählt wurden, schließt die Firma aus. „Wir sind relativ sicher, dass keine Dubletten erfasst sind“, sagt Jörg Krahnert von Neofonie.

Schon seit Monaten sucht von Dassel nach Wegen, gegen Ferienwohnungen vorzugehen. Noch im Herbst wurden Internetrecherchen von Berlins Datenschutzbeauftragten als rechtswidrig bewertet. Ein Gutachten des Internet-Juristen Niko Härting, das der Stadtrat vorgelegt hat, kommt zu einer anderen Einschätzung: „Die automatisierte Erfassung und Adresszuordnung aller im Internet angebotenen Ferienwohnungen ist rechtlich zulässig.“ Erst mit der Übergabe der Daten an den Bezirk sei Datenschutzrecht betroffen.

Der Datenschutzbeauftragte könne ihn nun noch rügen, aber nicht mehr stoppen, sagte Stadtrat von Dassel. Er will die Betreiber illegaler Apartments anschreiben. „Unser Interesse ist es, dass sie ihre Ferienwohnungen wieder dem Wohnungsmarkt zur Verfügung stellen.“ Die Online-Angebote noch schnell zu deaktivieren, nütze den Anbietern nichts mehr. „Wir haben die Daten im Computer.“ Zugleich fordert von Dassel vom Senat mehr Personal, um den illegalen Betrieb zu bekämpfen.

Dem Senat erscheint die ermittelte Zahl viel zu hoch. „Wir gehen weiter von bis zu 12?000 Ferienwohnungen aus“, sagt Engelbert Lütke Daldrup, Staatssekretär in der Stadtentwicklungsverwaltung. Nach seiner Kenntnis seien Mehrfachnennungen enthalten. Doch es bleibe Tatsache, dass es Betreiber gebe, die ihre Ferienwohnung nicht gemeldet haben. „Es ist positiv, dass Mitte sich bemüht, umfassend die Tatbestände zu ermitteln.“ Mehr Personal gebe es nicht. Die Bezirke erhielten 2016 und 2017 bereits 300 zusätzliche Stellen, so der Staatssekretär.

Gravierende Änderungen erwartet Lütke Daldrup im nächsten Frühjahr, wenn eine Übergangsregelung ausläuft. Dann werde ein „erheblicher Teil der Ferienwohnungen wieder dem Wohnungsmarkt zur Verfügung stehen“.