Berlin - Litfaßsäule, Thermoskanne, Taschenlampe – ein Blick in die Geschichte zeigt, wie innovativ die Bürger schon mal waren. Noch vor acht Jahren galt Berlin als Hauptstadt der Erfinder. Doch das ist vorbei. Das europäische Patentamt hat am Dienstag aktuelle Zahlen veröffentlicht. Danach kamen aus Berlin im vergangenen Jahr nur noch 722 Anmeldungen, fast 15 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Schon 2017 hatten die europäischen Statistiken einen leichten Rückgang für die Hauptstadt gezeigt.

Was die Zahlen noch dramatischer wirken lässt: Noch nie meldeten innovative Unternehmen so viele Neuentwicklungen beim europäischen Patentamt an wie im vergangenen Jahr. Mehr als 174.300 Patente registrierte die Behörde. Im Vergleich zu 2017 sind das 4,6 Prozent mehr. Knapp die Hälfte der Anmeldungen stammte demnach von europäischen Unternehmen. Allein auf das Konto deutscher Konzerne gingen dabei knapp 27.000 Anmeldungen, was einem Plus von knapp fünf Prozent entspricht.

Bayern an der Spitze

Bayern liegt bundesweit an der Spitze, dort wurden fast mehr als neun Prozent mehr Patente angemeldet, in absoluten Zahlen kamen aus dem Süden 8 238 Anmeldungen, aus Berlin nur 722. Auf Platz zwei folgt Nordrhein-Westfalen (5125) vor Baden-Württemberg (5082). Zu den Verlierern gehört auch Brandenburg, dort gab es mehr als 22 Prozent weniger Einreichungen (143). Im Städtevergleich liegen München und Stuttgart vor Berlin.

Was die Erfinder und Tüftler antreibt, sind Themen, die eigentlich auch in der jungen Berliner Wirtschaftsszene und in der Forschung an den Hochschulen eine große Rolle spielen. Es ging im vergangenen Jahr vor allem um Medizintechnologie, um digitale Kommunikation, Computertechnologie und die neue Mobilität.

Siemens auf Platz eins bei Unternehmen

Auf Unternehmensebene ist Siemens mit 2493 Anmeldungen erstmals seit 2011 wieder Spitze und hat dabei Huawei verdrängt. Der Telekommunikationskonzern aus China, der hierzulande das Mobilfunknetz mit dem neuen 5G-Standard maßgeblich aufbauen will, hat aber nur acht Patentanmeldungen weniger als Siemens eingereicht.

Experten weisen allerdings daraufhin, dass bei der Auswertung berücksichtigt werden sollte, dass die Patente nicht dort angemeldet werden müssen, wo die Erfindungen entstanden sind. So können Unternehmen und Institute auch den Firmensitz nennen. In Bayern gibt es definitiv mehr Großkonzerne als in Berlin.