Allein mit dem Coronavirus (Symbolbild)
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BerlinDie ganze Welt redet über das Coronavirus und die Erkrankung Covid-19, die es auslöst. Über Menschen, die es haben und in Quarantäne sind. Über die Gefahren, sich im öffentlichen Raum anzustecken. Wie aber fühlt es sich an, infiziert zu sein und mit den Symptomen der Krankheit zu kämpfen? Der Berliner Hagen S. (54) steckte sich mit dem Virus an und lebt seit zehn Tagen in Quarantäne. Der Berliner Zeitung erzählt er, wie es ihm geht, wie sich Covid-19 anfühlt – und was er aus der Krise lernt.

In der Corona-Historie der Stadt hat Hagen S. eine eigene Nummer: 59. „Ich war der 59. Patient, der positiv getestet wurde“, sagt er der Berliner Zeitung. „Und als ich vom Testergebnis erfuhr, war ich gar nicht so überrascht. Denn ich hatte damit gerechnet, dass meine Symptome vom Coronavirus kommen.“

Am vorletzten Wochenende besuchte S. ein Festival in Belgien. Nach der Rückkehr stand er am Montag auf, um zur Arbeit zu gehen. „Plötzlich hatte ich Gliederschmerzen – ich dachte erst, dass es die Nachwirkungen des Wochenendes sind, denn ich hatte in Belgien ja gefeiert“, sagt er. Dann bemerkte er, dass seine Temperatur stieg.

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„Im Laufe des Nachmittags konnte ich mich nicht mehr konzentrieren, mir war übel und ich hatte leichten Durchfall.“ Auf der Website des Robert-Koch-Instituts informierte er sich über die Symptome, sie passten. Beim Hausarzt ließ er sich testen, am nächsten Tag kam das Ergebnis. „Eine Schwester aus der Praxis rief an und sagte, dass der Test positiv war. Dann meldete sich das Gesundheitsamt und verordnete häusliche Quarantäne.“

Mentales Tief in Quarantäne

Überrascht oder gar ängstlich sei er nicht gewesen, sagt er. „Ich leide seit Jahren an einer Angststörung und weiß daher, wie ich mit Ängsten umgehen muss.“ Aber natürlich bekomme man auch mal einen kleinen Quarantäne-Koller. „Ich hatte inzwischen auch ein mentales Tief. Da fragt man sich dann schon, wie man mit der Krankheit fertig werden soll, fühlt sich allein. Aber es geht nicht anders. Man muss schließlich die anderen Leute schützen und will auf keinen Fall jemanden gefährden.“

Die Symptome beschreibt Hagen S. wie die einer normalen Grippe. „Das Fieber ging schnell wieder weg, der trockene Husten wurde langsam zum produktiven Husten.“ Ibuprofen und ein Hustenlöser hätten geholfen. „Dazu kam ein dicker Kopf. Ich fühlte mich richtig krank und abgeschlagen. Aber auch nicht so, dass ich nur im Bett bleiben musste. Ich habe Hausarbeiten erledigt, bin auf meiner Dachterrasse spazieren gegangen.“ Die frische Luft und die Sonne hätten gut getan. „Außerdem achte ich darauf, gut und viel zu schlafen – mir geht es auch jeden Tag ein kleines bisschen besser“, sagt er. Auf Facebook schreibt er in Corona-Gruppen über seinen Zustand – um anderen die Furcht zu nehmen.

Aus der Erkrankung habe er auch einiges gelernt. „Man sagt ja immer: In Krisenzeiten merkt man, wer die wahren Freunde sind. Ich habe Hilfe von Leuten bekommen, bei denen ich nie damit gerechnet hätte, dass sie mir helfen – und andere, die ich gut kenne, wollten nicht mal für mich in die Apotheke gehen, weil sie Angst hatten, sich anzustecken.“ Genau das sieht S. als Problem in einer Stadt wie Berlin. „Nicht alle Leute haben ein Netzwerk aus Freunden. Und Apotheken haben keinen Lieferdienst. Was sollen die tun, die Medizin brauchen und niemanden haben, den sie schicken können?“

Er ist Berlin einen Schritt voraus

Zudem wollte er sich Lebensmittel bringen lassen. „Aber auch das war schwierig, denn die Lieferanten wollen eine Unterschrift. Das geht in meinem Fall aber nicht.“ Kompliziert sei es gewesen, sich mit einem Anbieter auf die Haustürlieferung zu einigen. In jedem Fall wolle er in seinem Haus einen Zettel ans schwarze Brett hängen, wenn seine Quarantäne beendet ist. „Denn gegenseitige Hilfe ist wichtig.“ Und im Vergleich zum Rest der Stadt hat S. einen entscheidenden Vorteil: Er ist uns allen einen Schritt voraus.