Berlin - Aus Sicht des Kanzlerkandidaten der Union, Armin Laschet, sollen in Bonn auch künftig große Teile der Bundesministerien verbleiben. „Die Bestrebungen einiger, die Regierungsarbeit in Berlin zu zentralisieren, sind heute noch absurder als vor 30 Jahren“, sagte der NRW-Ministerpräsident dem Kölner Stadt-Anzeiger. Die Corona-Krise habe gezeigt, dass die Regierungsarbeit auch funktioniere, „ohne dass Beamte dauernd hin- und herfliegen“. „Dann finden die Teamsitzungen eben digital statt“, sagte Laschet. „Außerdem wäre es doch lebensfremd, gerade jetzt bei einem völlig überhitzten Wohnungsmarkt in Berlin auch noch 20.000 Beamte aus Bonn umzusiedeln.“

Ein Faktencheck zeigt, dass so viele Beamte in der Bundesregierung aber gar nicht tätig sind – und schon gar nicht in Bonn. Während im Jahr 2000 noch 10.470 Stellen der Ministerien in Bonn (61 Prozent) und 6756 Stellen in Berlin (39 Prozent) angesiedelt waren, hat sich das Verhältnis mittlerweile fast umgekehrt. In Berlin unterhielten die Ministerien im Jahr 2019 etwa 15.400 Arbeitsplätze (69,5 Prozent), in Bonn hingegen nur noch rund 6750 Stellen (30,5 Prozent). Das geht aus dem sogenannten Teilungskostenbericht der Bundesregierung für 2019 hervor, der alle zwei Jahre erscheint. Dass jedes Ministerium sowohl in Berlin als auch in Bonn mit einem Dienstsitz vertreten sein muss, ist im Berlin/Bonn-Gesetz von 1994 geregelt. Danach sollen eigentlich sogar mehr als die Hälfte der Beschäftigten am Rhein tätig sein.

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