Lecker, kann aber schnell unangenehm werden. 
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BerlinNeulich war ich bei Bekannten zum Abendessen eingeladen. Daraus wurde aber nichts. Die Frau des Bekannten hatte es kurzfristig abgelehnt, sich an den Herd zu stellen und zu brutzeln. Das tue sie sonst immer, rechtfertigte sie sich. Sie wolle sich auch mal bewirten lassen, sagte die Frau. Auch Komplimente über ihre Kochkünste änderten nichts.

Wir gingen zum Griechen. Wir kennen ihn schon länger und waren eigentlich immer zufrieden. Doch der Koch muss gewechselt haben. An diesem Abend schmeckte es anders. Das Fleisch vom Lamm war zart gerillt. Aber es mundete nicht nach Lamm, sondern nach einer großen, kompletten Knoblauchknolle. Auch das Zaziki war nicht ohne. Der Knoblauch hatte den Geschmack des Olivenöls sowie des griechischen Jogurts total verdrängt. Egal, wir hatten Hunger. Ein paar Ouzo drauf und die Welt war für uns an diesem Tag in Ordnung. Am nächsten nicht mehr. Ich fuhr am Morgen mit dem Taxi ins Büro. Glücklicherweise war der Fahrer aus Bulgarien, wie er erzählte. Nichts hatte in der Nacht geholfen, den Knoblauchgeruch zu bändigen. Mundwasser, Zitrone, Zahnpasta: alles umsonst. Den Taxifahrer störte der Geruch nicht. Das hat er jedenfalls so gesagt. Ich war ihm dankbar für sein Verständnis.

Glücklicherweise waren die meisten meiner Kollegen im Homeoffice. Mit denen, die, so wie ich, keine Ambitionen auf Heimarbeit hatten, habe ich kaum gesprochen, und wenn, dann nur mit gesenktem Kopf. Irgendwie hatte ich ein schlechtes Gewissen und fühlte mich allein und verstoßen. Anders als am Abend zuvor beim Griechen. Auch ungewöhnlicher Mief vergeht irgendwann. Eigene Gerüche sind den meisten Menschen peinlich. Und reden darüber will in dieser Stadt auch keiner so recht.

In Amerika ist das anders. Dort begehen die Leute jedes Jahr am 6. August den National Fresh Breath Day, den Tag des frischen Atems. Deshalb wird der Atem der Amerikaner zwar nicht besser, aber man denkt halt mal dran. Wer die Idee zu diesem Feiertag hatte, weiß ich nicht. Vielleicht war es die Zahnarztvereinigung der Vereinigten Staaten? In den USA leidet ein Viertel der Menschen an Halitopsis, wie Mundgeruch medizinisch heißt. In Deutschland sollen es auch so viele sein.

Am 6. August, dem Frischetag, fuhr ich mit einer Straßenbahn der Linie 4 von Mitte nach Prenzlauer Berg. Die Bahn war voll. In meiner Nähe standen zwei Pärchen im Gang, ohne Maske. Sie redeten in englischer Sprache ohne Unterlass. Es dauerte nicht lange, da hatten sich die übrigen Fahrgäste von ihnen abgewandt. Es roch am Frischetag in der M4. Die beiden störten sich nicht daran. Ihnen ging es vermutlich so wie uns nach dem Lamm und dem Zaziki. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Ich bin ausgestiegen. Am Abend war ich mit Bekannten griechisch essen.