Es heißt schon etwas, wenn Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf behaupten, etwas sei das Allerdümmste, das sie jemals getan hätten. Immerhin haben sich die zwei Comedy-Moderatoren einst aus Spaß den kompletten Körper eingipsen lassen. Eingeleitet haben sie mit dieser Floskel jedoch eine Episode ihrer früheren Sendung neoParadise. Jene Episode, in der sie mit Minckee von Ghosthunter Berlin auf Geisterjagd gingen.

Dementsprechend skeptisch bin ich, als Minckee an diesem Abend auf meinem Sofa Platz nimmt. Die 30-Jährige heißt eigentlich Ariane Gerhold und besucht zusammen mit ihrem Assistenten René Krause (30) Orte, an denen es vermeintlich spukt. Das können alte Schlösser oder Krankenhaus-Ruinen sein, aber auch Privatwohnungen. „Häufig schreiben mir Leute, die befürchten, ich schmunzle über sie. Manche hören Schritte in ihrer Wohnung, andere ein Klopfen oder Atmen. Viele haben schlicht das Gefühl, nicht allein zu sein“, erzählt Minckee. Die Geisterjägerin versucht dann, mit den übernatürlichen Wesen Kontakt aufzunehmen und sie zum Gehen zu bewegen. Geld verlangt sie dafür nicht.

Wir haben alle Lampen in meiner Wohnung ausgeknipst, nur zwei Kerzen werfen etwas Licht. Minckee breitet ihr Equipment auf dem Tisch aus: ein Diktiergerät, eine Feder, eine Digitalkamera, eine goldene Glocke, ein Bewegungsmelder und ein Messgerät, um elektromagnetische Felder ausfindig zu machen. MacGyver könnte aus diesen Dingen einen Helikopter bauen, denke ich kurz. René stellt einen Streulaser auf, der meine Wand mit winzigen grünen Punkten besprenkelt. „Um zu erkennen, wenn ein Schatten durchhuscht“, sagt er.

Wenn bitte was? René sagt das so selbstverständlich, dass mir mulmig wird. Ich wusste zwar, dass wir Geister suchen. Dass das aber implizieren könnte, Geister zu finden, hatte ich vorab ausgeschlossen.

Minckee hat Verständnis für Zweifler. Oft gäbe es für scheinbar Übernatürliches tatsächlich lapidare Erklärungen. „Teils knarren in einer Wohnung einfach marode Dielen oder undichte Fenster führen dazu, dass Zugluft die Gardinen bewegt“, sagt sie. „Mancherorts wird damit Geld gemacht. Es gibt Schlösser, von denen behauptet wird, es würde dort spuken. Da bezahlen Gäste Unsummen für ein Wochenende.“

Davon will sich die Geisterjägerin abgrenzen. „Ich behaupte nur, was ich auch belegen kann“, sagt sie und deutet auf die Infrarotkamera, die René in der Hand hält. Er filmt damit jede Session. „Zum Beispiel auf Schloss Beesenstedt in Sachsen-Anhalt“, erzählt Minckee. „Dort haben wir in einem Raum eine Glocke an die Türklinke gehängt, die Kamera darauf gerichtet und das Diktiergerät angeschaltet. Dann haben wir den Raum verlassen. Als wir später das Tonband abhörten, fragte darauf eine Stimme ‚Bist du noch da?’. Das hat niemand von uns gesagt. Auf dem Video sieht man die Glocke wackeln. In dem Schloss war es völlig windstill.“ Diese Beweise könne sich jeder auf der Youtube-Seite von Ghosthunter Berlin anschauen. 

Minckee insistiert, solche Aufzeichnungen könne man nicht fälschen. Die junge Frau ist redegewandt, sie spricht energisch und aus hellwachen Augen – von Verschrobenheit keine Spur. „Was ich mache, ist doch nichts Neues“, wundert sie sich manchmal. „Seit Anbeginn der Menschheit haben sich die Leute mit dem Übernatürlichen beschäftigt. Sie malten Geister und Engel, sie zelebrierten den Tod mit Ritualen. Wozu all das, wenn es da oben nichts gibt?“

Falls nachts nicht gerade die Geisterstunde schlägt, arbeitet Minckee als Reiki-Meisterin. „Außerdem mache ich noch ein bisschen was mit Immobilien“, sagt sie, ohne dabei präziser zu werden. „Und Sängerin bin ich auch.“ Sie nimmt das Elektro-Messgerät und beginnt, damit durch meine Wohnung zu schreiten. Lämpchen blinken darauf, von grün über gelb bis rot, wenn die Elektrizität am stärksten ist. Am Stromkasten und am Kühlschrank schlägt das Signal aus. Ein Aufflackern fernab einer Stromquelle würde auf paranormale Energie hindeuten, so die Theorie. „Wesen kommunizieren auf unterschiedliche Weise“, sagt Minckee. Manchmal erhalte sie Eingebungen, kurze Szenen, die plötzlich vor ihrem inneren Auge auftauchen. Als Kind habe ihr das Angst gemacht, heute könne sie diese Zeichen deuten.

„In der alten Lungenheilstätte Grabowsee in Brandenburg habe ich einen Jungen wahrgenommen. Intuitiv hatte ich drei Murmeln dabei, ich schleuderte sie in alle Ecken des alten Festsaals und sagte, ‚spiel mit uns, wenn du magst’. Wir verließen den Saal. Als wir zurückkehrten, lagen die Murmeln in der Mitte des Raumes in einem Dreieck.“ René nickt, er und ein Kamerateam waren dabei.

Wir sitzen nun wieder am Tisch, Minckee spricht zu der möglicherweise verborgenen Präsenz in meinen vier Wänden. „Wir würden uns freuen, falls jemand hier ist, wenn er sich zeigt. Das kann ein Glockenklingeln sein.“ Ich starre die Glocke auf dem Tisch an. „Das kann sein, dass sich dort hinten die Pflanze bewegt.“ Ich starre zur Pflanze. „Auch Silvia würde sich über ein Zeichen freuen. Sag’ mal etwas, Silvia!“ Ich starre Minckee an.

Wie spricht man zu imaginären Energiefeldern und Schatten? Eher brüderlich duzen oder höflich siezen? „Ich würde mich auch sehr freuen“, stammle ich geniert. Das ist gelogen. Eine paranormale Präsenz in meiner Wohnung würde mich dann doch vor emotionale Herausforderungen stellen. Glücklicherweise nimmt kein Wesen meine Einladung an.

Minckee wirkt wenig enttäuscht. Man könne Geister halt nicht auf Knopfdruck herbeirufen. Zum Abschied lässt sie mir eine weiße Feder auf dem Tisch liegen. „Wenn du die morgen früh im Bad findest, rufst du mich an, ja? Und wenn hier heute Nacht etwas explodiert, dann auch“, sagt sie ganz selbstverständlich.

Obwohl ich nach wie vor skeptisch bin, ertappe ich mich am nächsten Morgen unmittelbar nach dem Aufstehen beim Kontrollblick in Richtung Tisch. Die Feder liegt noch da. Aber so abgebrüht, wie ich dachte, bin ich dann wohl doch nicht. 

Alle Infos und Kontakt unter www.ghosthunter-berlin.de