berlin - Erst fehlten der S-Bahn die Züge, jetzt fehlt ihr vor allem das Personal. Das bekommen die Fahrgäste immer häufiger zu spüren – auch am vergangenen Wochenende. Weil Lokführer fehlten, mussten die Linien S 47 und S 8 verkürzt werden. Am Freitag traf es die  S 46. Seit Längerem  entfallen auf vielen Linien immer wieder Fahrten  – „betriebsbedingt“, wie es dann meist heißt.

„Größtes Problem ist zurzeit der hohe Krankenstand“, sagte S-Bahn-Chef Peter Buchner der Berliner Zeitung. Normalerweise sind fünf bis sechs Prozent der S-Bahner krank  gemeldet, momentan seien es rund neun Prozent. Und das, obwohl es derzeit kein Erkältungswetter gibt. „Wir sind ratlos“, so Buchner. Insider verweisen aber auf die hohe Arbeitsbelastung mit Schichtlängen von fast zwölf Stunden – und auf das miese Betriebsklima, das sich auch in den Ergebnissen der Mitarbeiterbefragung Anfang 2011 spiegelte.

Die vielen Krankmeldungen treffen die S-Bahn einer ohnehin angespannten Situation. Denn es mangelt an Lokführern – 50 werden dringend benötigt. „Unser Bedarf ist stärker gewachsen als das Angebot“, sagte Buchner. Weil Züge öfter in die Werkstatt müssen, werden für Überführungs- und Rangierfahrten mehr Kräfte gebraucht. Zudem müssen die Bahnen täglich zur Prüfung der Bremssandanlagen gefahren werden, was nur an Orten  möglich ist.

Zwar habe sich die S-Bahn  früh um neues Fahrpersonal bemüht, so Buchner. „An Bewerbern mangelt es nicht. In diesem Jahr ist die Zahl der Lokführer um 41 gestiegen – 57 haben wir ausgebildet, 16 sind gegangen.“ Doch die  nächsten Kurse enden erst Anfang 2012. Aber schon  am Jahresende soll die Zahl der einsetzbaren Wagen  nochmals steigen. Buchner geht jedoch davon aus, dass er dafür genug Leute hat.