Berlin - Die Traueranzeige in der Berliner Zeitung ist unübersehbar. „Viel zu früh und sehr plötzlich müssen wir Abschied nehmen“, heißt es dort. „Er hinterlässt eine große Lücke.“ Christoph Wachendorf, Personalchef und Arbeitsdirektor der S-Bahn Berlin GmbH, ist im Alter von 64 Jahren gestorben. Wie es zu dem Todesfall kam, verrät die von der Geschäftsführung, dem Betriebsrat und dem Vorstand der DB Regio unterzeichnete  Anzeige nicht. Doch eine Information für die Mitarbeiter, die der Berliner Zeitung vorliegt, nennt den Grund. Wachendorf ist im Krankenhaus den Folgen einer Covid-19-Erkrankung erlegen, heißt es darin. Damit hat die Pandemie nun auch in den Reihen der S-Bahn ein Todesopfer gefordert. Der Todesfall ereignete sich bereits am 19. Januar.

„Es ist der Wunsch seiner Familie, deutlich zu kommunizieren, dass er an den Folgen einer Corona-Erkrankung verstorben ist“, schreiben Wachendorfs Geschäftsführerkollegen Peter Buchner, Karsten Preißel und Bastian Knabe in der Mitarbeiterinformation. „Und auch Christoph Wachendorf würde sich dafür entscheiden, damit jeder von uns gewarnt ist: Das Virus macht vor niemandem halt. Passen Sie daher bitte auf sich und Ihre Liebsten auf und bleiben Sie gesund.“

Bisher gebe es keine Hinweise darauf, dass sich Wachendorf in der S-Bahn, einem anderen Bereich des Nahverkehrs oder während seiner beruflichen Tätigkeit infiziert hat, so ein S-Bahner. „Nach dem, was wir wissen, muss die Ansteckung außerhalb der Arbeit stattgefunden haben“, sagte er. Zuletzt lag Wachendorf im Krankenhaus.

Christoph Wachendorf hatte seine Berufslaufbahn 1985 bei Mannesmann begonnen. 2002 ging der Betriebswirtschaftler zur Deutschen Bahn, wo er später zum Tochterunternehmen S-Bahn Berlin GmbH wechselte – dem nach der BVG zweitgrößten Nahverkehrsbetrieb in der Hauptstadt-Region. „Mehr als zehn Jahre war er in unserem Unternehmen als Geschäftsführer Personal und Arbeitsdirektor tätig und hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die S-Bahn Berlin wieder zu einem erfolgreichen Unternehmen wurde“, heißt es in der Mitarbeiterinformation.

„Er war ein Personalchef, der viel im Betrieb unterwegs war und viele S-Bahner kannte“, berichtet jemand, der Christoph Wachendorf gut kennt. Der Personalchef hatte ein Herz für die Bahn. Im Internet sind Filme von ihm zu sehen. Sie zeigen Dampfloks in Aktion, zum Beispiel in Wales und in Österreich. Einen Film nahm Wachendorf in der Prignitz auf, wo er 2017 als Vorsitzender der Freunde der Werderaner Dampftage die Schmalspurbahn Pollo besuchte.

Auch in der Berliner Stadtgesellschaft war Christoph Wachendorf verwurzelt. „Gemeinsam mit Lehrlingen arbeitete er häufiger in der Bahnhofsmission Zoo“, schreibt Dieter Puhl von der Berliner Stadtmission auf Facebook. „Andere und ich merkten: ein feiner Mensch! Und ja, die S-Bahn Berlin und die BVG unterstützen ein Streetworkerprojekt bei uns, die Mobilen Einzelfallhelfer. Herr Wachendorf hat das alles erheblich mit angeschoben. Berlin hat da einen Gestalter, einen Anschieber verloren, viele einen Menschen, den sie sehr mochten.“