Eines hat Klaus Schrotthofer während seiner Zeit als Sprecher von Bundespräsident Johannes Rau gelernt: „Das Amt ist nichts, die Person ist alles.“ Da dürfte er sich mit seinem neuen Vorgesetzten einig sein, denn wie kaum ein zweiter Unternehmensboss lebt Flughafenchef Hartmut Mehdorn von seinem Image als Macher und Problemlöser.

Doch selbst Leute wie Mehdorn brauchen Unterstützung: Schrotthofer soll neuer Kommunikationschef der Flughafengesellschaft und damit des Pannenairports BER werden. Das will der Präsidialausschuss des Flughafen-Aufsichtsrats an diesem Mittwoch beschließen. Bleibt es bei der geplanten Ernennung, wird Schrotthofer die Aufgabe des langjährigen Flughafensprechers Ralf Kunkel übernehmen, dessen Öffentlichkeitsarbeit zunehmend in die Kritik geraten war.

Schrotthofer kennt sich in der Hauptstadt aus, schließlich lebte er mehrere Jahre hier. Zwei Jahre davon war er stellvertretender Chefredakteur der Berliner Zeitung. Der 46-Jährige begann seine journalistische Laufbahn als Volontär bei der Augsburger Allgemeinen, danach arbeitetet er in Bonn für verschiedene Tageszeitungen und später für das Magazin Focus und den Kölner Stadt-Anzeiger. Die Chefredaktion der Berliner Zeitung verließ er Ende 2001, um Sprecher im Bundespräsidialamt zu werden. Nach dem Ende der Amtszeit von Johannes Rau (SPD) 2004 ging Schrotthofer, der fünf Jahre mit der Grünen-Politikerin Kerstin Müller verheiratet war, zurück in den Journalismus. Bis Ende 2012 war er Geschäftsführer der Zeitungen der WAZ-Gruppe in Thüringen, zu der etwa die Thüringer Allgemeine gehört.

Schrotthofer soll nun helfen, das ramponierte Image des BER-Projektes aufzupolieren. Mehdorn will den BER endlich aus den schlechten Schlagzeilen bringen und dabei auch selbst glänzen. Seine Erfahrungen als Sprecher von Rau werden Schrotthofer bei dieser Aufgabe allerdings nur begrenzt helfen können. Denn eine Krisenkommunikation – wie jetzt erforderlich – war in Raus Amtszeit nicht nötig. Zudem war der SPD-Politiker im Gegensatz zu dem häufig polternden Mehdorn ein zurückhaltend agierender Vorgesetzter, was dem Naturell Schrotthofers durchaus entspricht.

Unabhängig davon ist aber für die Akzeptanz des BER-Projektes eines sicher: Ein neuer Sprecher war überfällig. Wer wie Kunkel besorgte Flughafenanwohner als radikale Egoisten und eigennützige Wutbürger bezeichnet, ist auf dem Posten nicht länger tragbar.