Der neue Werbespruch der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) lautet: „Weil wir Dich lieben.“ Doch bei einer Diskussion mit Fahrgästen erlebte die Vorstandsvorsitzende Sigrid Evelyn Nikutta, dass das nicht jeder spürt. „Ich fühle mich nicht geliebt,“ sagte ein BVG-Kunde. Nikutta bekam Kritik zu hören, weil die Straßenbahn wegen Personalmangels Fahrten gestrichen hat – und ein Ende der Einschränkungen nicht in Sicht ist.

Bislang lud der Fahrgastverband IGEB jedes Jahr im Herbst zu drei Diskussionen ein – mit den Chefs der Busse, U- und Straßenbahnen. Nun hat Nikutta diese Tradition beendet. „Ich habe meine Männer ausgestochen und gesagt: Ich mache das jetzt“, erklärte sie. So gab es während der jetzigen Schienenverkehrswochen nur einen Fahrgast-Sprechtag bei der BVG – mit Nikutta.

Sie brachte Imagefilme mit, in denen Busse Ballett fahren und Touristen von der Straßenbahn schwärmen. Doch als die Diskussion begann, merkte Nikutta, dass die gute Stimmung nicht auf jeden im Saal übergesprungen war. Bei manchen Fahrgästen blieb sie schlecht – was auch daran lag, dass die Chefin auf Fragen zu einem zentralen Problem wenig verständnisvoll reagierte.

Nur noch alle 20 Minuten

Die erste Frage lautete: „Wann werden die klammheimlichen Ausdünnungen auf der Straßenbahnlinie M?4 zurückgenommen?“ „,Ausdünnung’ ist nicht das richtige Wort“, konterte Nikutta. So fahre auf der M?4 während der Hauptverkehrszeit immer noch alle vier Minuten eine Bahn. Wohl kaum jemand habe die Änderung bemerkt. Zuvor gab es zum Teil einen Drei-Minuten-Takt.

Das konnte viele Fahrgäste nicht besänftigen, sie wiesen auf weitere Ausdünnungen hin. So hätten sich die Wartezeiten an Wochenenden auf der M?4 zum Teil deutlich verlängert. Auf den Linien M?5, M?6 und M?8 sei abends ohne Ankündigung der 20-Minuten-Takt eingeführt worden. Bisher fuhr ab 21.30 Uhr alle zehn Minuten eine Bahn.

Wann die Einschränkungen enden, sagte die BVG-Chefin nicht. Es gebe „keinen fixen Termin“. Zwar leisten Fahrer Überstunden, Kollegen aus Mainz und Augsburg helfen bald aus. Doch wie viele Bahnen in Zukunft mit Fahrern zu besetzen sind, hänge auch davon ab, wie viele Baustellen den Betrieb beeinflussen?– und das sei unklar.

Mehr Busse in Sicht

Warum gibt es das Problem überhaupt? „Es gingen mehr Mitarbeiter in Elternzeit und mit 63 in Rente als erwartet“, so Nikutta. „Wir können uns keine großen Personalreserven leisten.“ Bei der BVG werde „knackig geplant“?– aus wirtschaftlichen Gründen. Doch die schwarze Bilanz-Null, auf die sie verwies, schien viele im Saal nicht zu interessieren. Sie fühlen sich als BVG-Kunden schlechter bedient.

Im Busverkehr sind dagegen Verbesserungen absehbar. Nikutta: „Im Dezember 2015 und April 2016 werden auf 20 Linien Angebotserweiterungen umgesetzt.“ In der Hauptverkehrszeit fahren auf der M?27, 112, 139, 165, 187, 271 und 277 mehr Busse. Aufstockungen sind auch für die 101, 163, 186, 237, N?65, N?9 und X 54 geplant. Ab April gibt es zudem eine neue Linie: die 310 zwischen Wilmersdorfer und Blissestraße.