Im Kampf gegen den drohenden Personalmangel will Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik ältere Beamte freiwillig länger arbeiten lassen und Pensionäre zurück in den Dienst holen.
Manche Polizisten könnten später in den Ruhestand versetzt werden, „wenn sie das möchten und wir auf ihre Fachkenntnisse nicht verzichten können“, sagte Slowik der Berliner Morgenpost. „Zudem möchte ich pensionierten Kollegen ermöglichen, sich auch wieder einzubringen, zum Beispiel als Kontaktbereichsbeamte in den Kiezen“, sagte sie weiter. „Grundlage dafür könnten etwa Werkverträge sein.“ 

Berliner Polizei findet keinen Nachwuchs

Hintergrund ist, dass Berliner Polizisten früher in den Ruhestand gehen als Kollegen in anderen Bundesländern – oft bereits mit Anfang 60. Das Nachbarland Brandenburg zum Beispiel hat dagegen seine Altersgrenzen bereits angehoben. Dort können Polizisten auch freiwillig noch länger arbeiten. 

Barbara Slowik ist seit April Polizeipräsidentin. In den nächsten Wochen will sie ein Strategiepapier zur Gewinnung von Personal vorlegen. Sie bekräftigte ihren Vorschlag, Nachwuchs für die Berliner Polizei in anderen europäischen Ländern mit hoher Jugendarbeitslosigkeit anzuwerben. Slowik hatte vor einigen Tagen vorgeschlagen, etwa Bewerber aus Spanien für die Berliner Polizei zu gewinnen. Auch Themen wie eine bessere Bezahlung, bereitgestellte Wohnungen und andere Anreize sind im Gespräch. 

Die Berliner Polizei hat seit Jahren Schwierigkeiten, genug geeigneten Nachwuchs zu finden. Zwar bewerben sich viele junge Menschen, aber die meisten scheitern an den Deutsch- oder Sporttests. 

2019 sollen 1200 neue Polizei-Auszubildende eingestellt werden

Pro Jahr werden inzwischen 1300 junge Polizisten ausgebildet. Sie werden dringend gebraucht, weil von den derzeit 17.000 Polizisten in den nächsten fünf Jahren mehr als 6000 pensioniert werden. Neue Leute werden darüber hinaus gebraucht, weil die Polizei wachsen soll: In zehn Jahren soll es 19.000 Polizisten in Berlin geben. Das wären 2000 mehr als derzeit. Die dafür nötigen jungen Menschen müssen gefunden, eingestellt und ausgebildet werden. 

Wie im vergangenen Jahr wurde die Bewerbungsfrist auch in diesem Sommer wieder verlängert. Diesmal geschah dies sogar ohne einen angekündigten Endtermin. Ursprünglich konnten sich Interessenten vom 1. Juni bis zum 31. Juli für eine Ausbildung ab März oder April 2019 bewerben. Nun steht auf der Internetseite: „Der Bewerbungszeitraum wurde verlängert. Die Schließung des Bewerbungsportals wird erst kurzfristig hier mitgeteilt.“ 

Eingestellt werden in Berlin im Frühjahr und im Herbst 2019 voraussichtlich jeweils etwa 600 neue Polizei-Auszubildende. Erwogen wird auch, dass Bewerbungen künftig ständig möglich sind. So könne man etwa jederzeit positive Vorbescheide an Bewerber vergeben, auch wenn die Ausbildung erst später beginne. (dpa/BLZ)