Strausberg - Eines der wichtigsten Bahnunternehmen in der Region zieht aus seinem Personal- und Fahrzeugmangel drastische Konsequenzen. Die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) kürzt die stark frequentierte Regionalbahnlinie RB 26 und streicht die meisten Direktverbindungen nach Polen. Vom 26. Juli bis zum Ferienende am 4. September verkehren fast alle Züge nur noch zwischen Berlin-Lichtenberg und Seelow-Gusow.

Nach Rheinsberg nur noch per Bus

Wer weiter nach Osten fahren will, muss in Busse umsteigen. Fahrgäste nach Polen sogar zweimal: In Küstrin-Kietz übernehmen Kleinbusse die Weiterbeförderung nach Kostrzyn (Küstrin). Reguläre Busse dürften auf dem letzten Teilstück nicht fahren, erklärte Antje Voigt von der NEB. „Die Oderbrücke ist nur für Fahrzeuge mit maximal 7,5 Tonnen Gewicht zugelassen.“ Im Vergleich zu der anfangs geplanten Lösung sei das sogar eine Verbesserung. Die erste Ankündigung sah vor, dass die Fahrgäste über die Brücke laufen müssen. Zu Fuß von Deutschland nach Polen: ein ungewöhnliches Verkehrskonzept für das Jahr 2016.

Die NEB informierte über weitere Änderungen. So fallen an diesem Wochenende alle Zugfahrten nach Rheinsberg aus. Am Freitag wurden zwischen Oranienburg und Templin acht Züge durch Busse ersetzt. Nach Werneuchen wurde das Zugangebot ebenfalls ausgedünnt.

Noch megr Ärger für Bahnreisende

Auch in den kommenden Wochen müssten sich die Fahrgäste auf Änderungen wie Zugstreichungen oder Kapazitätseinschränkungen gefasst machen, hieß es. Die Gründe sind stets dieselben. So fehlen der NEB Fahrzeuge. Ein Dieseltriebwagen brannte im Januar aus, drei weitere sind mit Schäden ausgefallen. Bestellte neue Züge des Typs Pesa Link wurden später als geplant geliefert, Ersatzfahrzeuge mussten aber bereits wieder zurückgegeben werden. Personalmangel ist das zweite Problem. Die Zahl der Beschäftigten reicht gerade eben aus. Derzeit würden viele Lokführer auf die neuen Züge geschult, während der achttägigen Fortbildungen fallen sie für den regulären Betrieb aus.

Rund zwei Drittel der NEB-Anteile gehören der Industriebahn-Gesellschaft Berlin, die wiederum zu mehr als 50 Prozent dem französischen Staatsbahnunternehmen SNCF Geodis gehört.