Personalstreit: BER-Technikchef Amman abgesetzt

Berlin - Horst Amann und Hartmut Mehdorn stritten miteinander, sie schwiegen sich an, sie beschwerten sich in Brandbriefen an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) über den jeweils anderen. Jetzt ist der Machtkampf an der Spitze der Flughafengesellschaft FBB entschieden worden: Horst Amann muss seinen Posten als Geschäftsführer Technik/BER räumen.

„Er wird am 1. November eine neue Aufgabe in der Flughafengesellschaft übernehmen“, sagte Wowereit am Mittwochabend, nachdem der Aufsichtsrat mehr als zwölf Stunden getagt hatte. Einen Nachfolger wird es nicht geben, Amanns Aufgaben werden unter Mehdorn und der Finanzchefin Heike Fölster verteilt. Damit hat die FBB keinen Geschäftsführer mehr, der sich ausschließlich um die Technik und das Pannenprojekt BER kümmern soll.

Amann behält sein Gehalt, sagte Wowereit. Der 60-Jährige wird Geschäftsführer der Flughafen Energie und Wasser GmbH (FEW), die als Tochtergesellschaft der FBB die Ver- und Entsorgungssysteme der Flughäfen betreibt. Eine anspruchsvolle Aufgabe, so der Regierende, von einem Versorgungsposten könne keine Rede sein: „Die FEW ist eine der größten Tochtergesellschaften, sie hat ein Kapital von 300 Millionen Euro. Wir wollen, dass sie entwickelt wird.“

Aus Frankfurt am Main, wo er am Flughafen zuletzt den Bau der vierten Startbahn organisiert hatte, war Amann im Sommer 2012 als Hoffnungsträger nach Schönefeld geholt worden. „Er ist in einer schwierigen Zeit gekommen“, so Wowereit.

Die Hälfte der Systeme ist fertig

Doch auch unter dem gebürtigen Darmstädter, den ein Insider einmal als „kompromissloser harter Knochen“ charakterisierte, ging die Fertigstellung des Flughafens nicht recht voran. Im September 2012 kündigte Amann an, dass der BER am 27. Oktober 2013 ans Netz geht – um dies vier Monate später zu widerrufen. „Wir waren schon enttäuscht, dass der Termin korrigiert werden musste“, so der Regierende am Mittwoch. Als Hartmut Mehdorn, der ebenfalls als Alphatier gilt, im März Vorsitzender der Geschäftsführung wurde, entzündete sich zusätzlich ein interner Streit.

Dennoch lehnte es Wowereit ab, Amann mit der gewünschten siebenstelligen Abfindung ziehen zu lassen – zu teuer und nach außen nicht vertretbar. Nun habe man sich„in gegenseitigem Einvernehmen“ darauf geeinigt, dass Amann bleibt – nur eben weg von Mehdorn.

Andere Fragen blieben am Mittwoch offen. Wer Aufsichtsratsvorsitzender wird, soll im Dezember entschieden werden, sagte Wowereit. Die Frage, wann der BER eröffnet wird, werde erst 2014 beantwortet.

„Wir werden erst dann einen Eröffnungstermin nennen, wenn wir wissen, dass die Systeme funktionieren“, sagte Uwe Hörmann, der bei den Flughäfen die zentrale Planung und Strategie leitet, während einer Vorlesung in der Reihe „Airport Campus“. „Da wollen wir ein großes Stück Sicherheit haben.“ Langfristiges Ziel sei es, die 71 Gebäudeobjekte und 106 technischen Systeme am BER in Betrieb zu nehmen – aber nicht alle auf einmal.

Wichtigste Aufgabe des Beschleunigungsprogramms Sprint sei: Komplexität reduzieren. Hörmann sagte es so: „Es geht darum, den Elefanten klein zu schneiden.“ Und fügte hinzu: „Bei unserer Arbeit kommen Korken hoch, das glauben Sie nicht. Aber es ist angenehmer, die Korken nach und nach abzuarbeiten, als den ganzen Eimer Korken an einem Tag zu bewältigen.“

Wie sieht die Bilanz bislang aus? „27 Objekte und 53 Systeme sind fertig“, so der Manager. Im Frachtzentrum wird Fracht angenommen (auch wenn ein Teil erst einmal per Lkw nach Tegel geht), die Tanklager funktionieren, das Parkhaus Nord ist startklar. Im Bahnhof sind schon Züge unterwegs – allerdings vorerst nur, um die Tunnel zu belüften.

Die nächste Stufe werde nun angepeilt: 65 Objekte und 79 Systeme. Dazu gehören Vorfelder, Gepäckbänder und Check-In-Computer. Die nächste Stufe ist der Testbetrieb im Nordflügel des BER-Terminals, der umfangreicher ausfallen soll als bislang mitgeteilt. 300 Mitarbeiter sollen Abläufe trainieren und die Technik erproben – an Tresen, die vom alten Flughafen Schönefeld herübergebracht werden sollen. Hörmann spricht von täglich 3000 Passagieren, dreimal mehr als angekündigt, und 20 bis 30 Flügen am Tag. Die Germania, die in die Türkei, den Libanon oder in den Irak fliegt, wird die erste Airline sein. Doch einen Termin, wann der Testbetrieb beginnt, nannte Hörmann nicht.