Berlin - Der Neue kommt aus Frankfurt. Nachfolger des entlassenen Technik-Geschäftsführers der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) soll der bisherige Chefplaner der Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport, Horst Amann, werden. Das erfuhr die Berliner Zeitung am Freitag. Der 59-Jährige soll bereits einen Vertrag unterzeichnet haben. Der Aufsichtsrat der FBB soll die Personalentscheidung am kommenden Freitag auf seiner nächsten Sitzung absegnen.

Die Beteiligten halten sich vorerst allerdings bedeckt. Der Sprecher der FBB, Ralf Kunkel, wollte die Verpflichtung noch nicht bestätigen. Ein Sprecher des Frankfurter Airports sagte allerdings, „wir wissen, dass die Berliner Interesse haben“. Dies könne man „nachvollziehen“, sagte er. Amann habe alle Projekte für den Ausbau des Frankfurter Airports „ordentlich und im Zeitplan“ umgesetzt.

Erste Zweifel am neuen Eröffnungstermin

Der bisherige FBB-Chefplaner Manfred Körtgen musste kürzlich seinen Hut nehmen, weil der Eröffnungstermin für den neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld wegen Problemen mit dem Brandschutz vom 3. Juni dieses Jahres auf den 17. März 2013 verschoben worden war.

Körtgens designierter Nachfolger Amann kennt sich mit Großprojekten aus. Er plante einst für die Deutsche Bahn die ICE-Hochgeschwindigkeitstrasse von Köln nach Frankfurt. Danach trat er in die Dienste des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport. Dort setzte er die neue Landebahn Nordwest durch. Eine Wartungshalle für die A380-Großflieger der Lufthansa wurde von Amann ebenso geplant wie der Terminal 3. Wann Amann von Frankfurt nach Berlin kommen kann, ist noch unklar. Sicher ist, dass er in Berlin dringend erwartet wird. Hier muss Amann alles daransetzen, dass der neue Hauptstadtflughafen wenigstens pünktlich zum 17. März kommenden Jahres eröffnen kann.

Erste Zweifel, ob der neue Termin einzuhalten ist, gibt es bereits. Grund: Die Firmen Siemens, Bosch und Imtech, die die Brandschutzanlage einbauen sollen, hatten vor wenigen Wochen angemahnt, dass Mitte Juni die Planungsunterlagen vorliegen müssen. Bis Freitagmittag waren sie bei Siemens noch nicht eingetroffen. „Wir erwarten die Unterlagen und werden sie dann prüfen“, sagte eine Siemens-Sprecherin. Flughafensprecher Ralf Kunkel sieht den neuen Eröffnungstermin nicht in Gefahr: „Wir sind im Plan“, sagte er. „Wir übergeben den Baufirmen derzeit wie verabredet die Pläne für die Brandschutzanlage und stimmen die Details ab.“ Der Zeitplan bis zur Eröffnung am 17. März 2013 stehe, er sei „mit den Baufirmen abgestimmt“.

Nochmal zur Schulung

Die Verschiebung der Eröffnung des neuen Großflughafens führt unterdessen dazu, dass auf die Fluglotsen weitere Arbeit zukommt. Viele Lotsen, die bereits für den Einsatz am neuen Airport geschult wurden, müssen voraussichtlich erneut eingewiesen werden – weil zwischen der ersten Unterweisung und der Aufnahme des Flugbetriebs zu viel Zeit liegt. Das bestätigte die Sprecherin der Deutschen Flugsicherung (DFS), Kristina Kelek, auf Anfrage. „Eine Nachschulung muss erfolgen“, sagte die Sprecherin. „Die Fluglotsen müssen auf dem neuesten Stand sein.“ Nach Angaben der DFS werden am neuen Hauptstadtflughafen etwa 75 Mitarbeiter im Einsatz sein. Das sind etwas weniger als jetzt in Schönefeld und Tegel arbeiten. Die Lotsen in Schönefeld arbeiten bereits im neuen Tower. Sie müssen nicht nachgeschult werden. Wohl aber all jene Mitarbeiter, die mit der Eröffnung des neuen Airports aus Tegel nach Schönefeld wechseln. Das sind nach Angaben der DFS-Sprecherin gut 30 Personen. Wie lange die Nachschulung dauert, ist noch unklar. Das hänge davon ab, welche Anforderungen das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung bei der Nachschulung stellt. „Ob wir die Mehrkosten in Rechnung stellen, kann ich nicht sagen, sie werden erst mal gesammelt.“ sagte die DFS-Sprecherin.

Der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin (AIV) kritisierte am Freitag die verantwortlichen Politiker des Flughafen-Debakels und nahm die Planer in Schutz. „Die gegenwärtige Vorgehensweise, mit Hilfe von unauskömmlichen Kostenaussagen und Terminvorgaben ein Großprojekt durch die Gremien zu tragen und hinterher den Planern Versagen vorzuwerfen, ist abzustellen“, so der AIV. Es müsse geklärt werden, ob der Aufsichtsrat seinen Verpflichtungen nachgekommen ist.