Berlin - Ein wunderlicher alter Herr, der in einem abgelegenen roten Haus lebt, Holz hackt, die Hühner füttert, in sich gekehrt bastelt und mit seinem Kater spricht – das klingt nach einem Thriller von Stephen King. Oder nach einer Geschichte aus der „Pettersson und Findus“-Reihe des Schweden Sven Nordqvist. Der Name des Katers Findus ist übrigens ein schlimmer Fall von Schleichwerbung, denn er leitet sich davon ab, dass der alte Pettersson das Tier in einer Schachtel mit dem Aufdruck „Findus grüne Erbsen“ fand. Und Findus ist der Name eines großen schwedischen Lebensmittelkonzerns.

In den vergangenen Jahren haben es immer mal wieder schwedische Zeichentrickfilme über Pettersson und Findus auch in die deutschen Kinos geschafft. Ganz neu ist die deutsche Produktion „Pettersson und Findus – Kleiner Quälgeist, große Freundschaft“ von Regisseur Ali Samadi Ahadi („Salami Aleikum“). In der Kombination aus Realfilm und Computeranimation spielt Ulrich Noethen („Sams im Glück“) den Pettersson.

Diesen Donnerstag startet der Film in den deutschen Kinos. Am Dienstagnachmittag wurde in der Kulturbrauerei Berlin-Premiere gefeiert. Zu den Gästen gehörten Schauspielerin Inez Bjørg David (die Titelheldin aus „Doc meets Dorf“) und ihr zweijähriger Sohn. „Wir sind große Fans von Pettersson und Findus, kennen bisher aber nur die Zeichentrickfilme und sind sehr gespannt.“ Im neuen Film kommen weise Sätze wie dieser vor: „Man passt auf sich selbst am besten auf, wenn man auf jemanden anderen aufpasst.“ Das sagt die von Marianne Sägebrecht gespielte Nachbarin Beda Andersson zu Pettersson, um ihn davon zu überzeugen, sich um den kleinen Kater zu kümmern. Dem leiht übrigens eine gewisse Roxana Samadi ihre Stimme, die Tochter des Regisseurs.

Sven Nordqvist hatte bei der Drehbuchentwicklung ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Und am Modell von Findus wurde so lange gearbeitet, bis es seine Gnade fand. Mit Computerhilfe zum Leben erweckt wurde es schließlich von den Spezialisten der Firma Pixomondo, die in der Branche nicht erst seit dem Oscar für die visuellen Effekte in Martin Scorseses „Hugo Cabret“ und dem Emmy für „Game of Thrones“ einen exzellenten Ruf genießt.

Der Bart, den Ulrich Noethen im Film trägt, ist echt. Er lässt sich gerade schon wieder einen wachsen, denn im September soll die Fortsetzung seines ersten Films als Pettersson gedreht werden. Das wurde entschieden, bevor der aktuelle Film in die Kinos kam, was für ein gewisses Selbstvertrauen der Macher spricht. Der erste Teil wurde im Herbst 2012 gedreht, anschließend dauerte es eine gewisse Zeit, um Findus per Computer in den Film zu mogeln. Noethen brauchte bei den Dreharbeiten viel Fantasie: „Ich spiele immer die Luft an.“ Dort, wo die kleinen Kinobesucher jetzt den Kater Findus sehen, war nix. Oder höchstens ein kleines Stück Klebeband, damit Noethen sieht, wo er hinschauen muss.

Dass sich Petterssons Hut im Film immer wieder verändert, war seine Idee. Man hatte ihm zunächst eine relativ steife Kopfbedeckung aufgesetzt. Bei einem Blick in die Bilderbücher wurde allerdings klar: „Dieser Hut zeigt das Seelenleben von Pettersson.“ Deshalb ist er mal geknickt und mal geknüllt.

Ulrich Noethen kann inzwischen eine komplette Kindheit begleiten: Für die Kleinen ist er jetzt der Pettersson, später werden sie ihn im Bibi-Blocksberg-Film und als den Herrn Taschenbier in „Das Sams“ lieben. Etwas größere Kinder sehen Noethen dann in der jüngsten Verfilmung von Kästners „Das fliegende Klassenzimmer“. Ein angenehmer Kindheitsbegleiter, dieser Herr Noethen.